Kultur : Effektverzicht

Das Bach-Kammerorchester im Berliner Konzerthaus.

von

Es ist ein Jammer, dass sich das Kammerorchester „Carl Philipp Emanuel Bach“ nach Ablauf der kommenden Spielzeit auflösen wird. Im Konzerthaus gibt man neben der F-dur-Sinfonie des Namenspatrons Werke Mozarts, darunter dessen letztes Klavierkonzert mit dem Pianisten Peter Rösel. Das Ensemble und sein künstlerischer Leiter Hartmut Haenchen, sicherlich einer der vielseitigsten Dirigenten unserer Zeit, stehen für einen ganz eigenwilligen Zugriff auf die Werke der Früh- und Hochklassik.

Das Orchester versteht sich auf die überfallartige Forte-Attacke, die Mittelstimmen, besonders die Bratschen, sind wunderbar präsent, und in der Abstimmung von Streichern und Bläsern ergeben sich aparte Mischungen, wobei gerade die ausgezeichneten Flötistinnen auf sich aufmerksam machen. Haenchens Klangvorstellungen wirken zunächst dennoch etwas fremd, vor allem, weil auf modernen Instrumenten gespielt wird und der Dirigent vom Vibratoverzicht schon aus historischen Gründen wenig hält. Spätestens aber mit Mozarts frühlingsfrischer A-Dur-Sinfonie, deren letzter Satz als Zugabe gleich noch einmal wiederholt wird, hat man sich in diesen Interpretationsansatz hineingehört.

Peter Rösels effektabstinenter Mozartstil erinnert an Maurizio Pollini. Das dynamische Spektrum wirkt schmal, Akzentsetzungen findet man fast ausschließlich am Beginn der Phrasen, denn im stark an der Oberstimme orientierten Klang soll keine Note aus der melodischen Linie hervorstechen. Damit wird der Pianist der lyrischen Gesamtanlage von Mozarts B-Dur-Konzert gerecht, die harmonischen Kühnheiten des ersten Satzes bleiben aber unterbelichtet. Bezaubernd wirkt das Understatement, mit dem im Finalsatz das Rondothema stets wieder einsetzt, als sei zuvor nichts geschehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben