Kultur : Ehrlich und unbeholfen

VIDEOKUNST I

Katrin Krus

Der Weg zu I wanna be a popstar ist ähnlich verschlungen wie der Weg zum Stardom selbst. Wer die Ausstellung kanadischer Videokünstler im Kunstraum Loop aber gefunden hat (bis 29. Februar, Köpenicker Str. 16, Obergeschoss des Seitenflügels der ehemaligen Heeresbäckerei, Mi-So 14-19 Uhr), dem stellt sich die Frage: Was eigentlich ist ein „Star“? In Rodney Grahams Arbeit „A little thought“ taucht der erst gar nicht auf. Graham singt seinen Song zur Bilderwelt des Country: Baumkronen in voller Kirschblüte, Enten im Teich und einsame Landstraßen. Da ist nur die Hand, die mit einem weißen Fellpuschel kosend an der Gitarre entlangstreicht – mehr Fetisch leistet sich Graham nicht. Kevin Schmidt intoniert in „Long Beach Led Zep“ einsam und bewegungslos den Klassiker „Stairway to Heaven“ am Strand, im Hintergrund geht langsam die Sonne unter. Barbara Prokops hingegen hat für „Britney: Still me“ einen weiblichen Fan gefilmt, der in fiktiven Interviews und Videos in die Rolle Britneys schlüpft. „I think people see me the way they want to see me“, sagt das Britney-Double in schwarzer Sportwäsche. Der Star als Projektionsfläche – das funktioniert, aber der Fan nicht als Star. Althea Thauberger lässt in „Songstress“ junge Folksängerinnen vor Landschaftskulissen treten. Die Damen schreiten aus Hainen hinaus und wieder hinein, man wiegt sich im Wind, schwingt die Arme umher oder pflückt, wohin sonst mit den Händen, einfach einen Grashalm. Muss das Authentische wirklich das Unbeholfene sein? Die „Wanna-be“-Ausstellung zeigt vor allem, dass sich Authentizität nicht performen lässt – es sei denn, man arbeitet an ihrer Inszenierung. Ein „Star“, das ist jemand, der zumindest daran verdammt hart gearbeitet hat. e

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