Ehrliche Briefe von Jugendlichen : Vom Mut, das Unsagbare zu sagen

Emily Trunko sammelt nie verschickte Briefe von Jugendlichen in einem Blog und veröffentlicht sie nun als Buch, das stark macht

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So wie das Cover wurde das ganze Buch von Lisa Congdon gestaltet.
So wie das Cover wurde das ganze Buch von Lisa Congdon gestaltet.Abbildung: Lisa Congdon

„Ich weiß, ich bin mutig, weil ich meine unsichtbaren Ängste akzeptiere und mich nicht von ihnen überwältigen lasse. Ich will, dass ihr wisst, man ist mutig, weil man seine Ängste kennt. Man ist mutig, weil man sich bemerkbar gemacht hat. Man ist mutig, weil man sagt: ,Nein, das verstehe ich nicht.’ Man ist mutig, weil man hier ist.“ Das sind ehrliche, Mut machende Worte, doch letztendlich hatte der Autor oder die Autorin zuerst nicht die Courage, diesen Brief an die „lieben Mutigen“ abzuschicken. Bis die 15-jährige Emily Trunko auf die Idee kam, den Tumblr-Blog „Dear My Blank“ (http://dearmyblank.tumblr.com) zu veröffentlichen, wo lauter Briefe und Nachrichten anonym publik gemacht werden, von denen die Verfasser von vornherein wussten, dass sie nie den Mut haben würden, die Texte abzuschicken.

So gelangte obiger Auszug jetzt in ein liebevoll von Lisa Congdon gestaltetes Buch mit vielen, vielen unveröffentlichten und nie abgeschickten Briefen, die es aber in sich haben. „Ich wollte nur, dass du noch weißt...“ heißt diese Sammlung aus den zehntausenden von Einsendungen, die Emily Trunko erhalten hat. Nach acht Monaten hatte das Projekt 30 000 Follower, erhielt bis zu 36 000 Kommentare pro Monat, über 35 000 Briefe sind bereits online, ebenso viele müssen noch digitalisiert werden. Die Briefe werden in dem Buch erstmals veröffentlicht. Sie sind nach Kategorien angeordnet wie „Liebe“, „Freunde“, „Welt“, „Familie“, „Herz-Schmerz“ und „Danke“, um nur einige zu nennen.

Trunko gibt den Lesern ihrer Generation und darüber hinaus das Gefühl und die Gewissheit, dass sie nicht alleine sind, dass viele Menschen ähnlich denken, sich aber nur nicht trauen. Die Briefe sind manchmal traurig, komisch, wirklich herzerwärmend und mutig: „lieber d, ich bin so froh, dass wir keine freunde mehr sind. ich vermisse dich kein bisschen und ich fühle mich endlich wieder wie ich selbst. von j.“ – der Brief einer Befreiung. Er zeugt vom Mut, das zu sagen, was ist und sich nicht zu verstellen. Und manchmal wirken diese Briefe auf besondere Weise – Emily Trunko hat über sie ihren Freund kennengelernt, aber das ist eine andere Geschichte.

Emily Trunko, Lisa Congdon: Ich wollte nur, dass du noch weißt... Nie verschickte Briefe. Aus dem Amerikanischen von Nadine Mannchen. Loewe Verlag, Bindlach 2017. 192 S. 14,95 €. Ab 14 Jahren.

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