Ehrung : "Nobelpreis der Musik" für Ferneyhough

Der britische Komponist Brian Ferneyhough ist bei einem Festakt in den Münchner Kammerspielen mit dem internationalen Siemens-Musikpreis geehrt worden.

München - Der mit 200.000 Euro dotierte Preis gilt in der Musikwelt als eine der begehrtesten Auszeichnungen. Ferneyhough, 1943 in Coventry geboren, lehrt an der Stanford-Universität in Kalifornien. Im vergangenen Jahr hatte der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim die renommierte Auszeichnung erhalten, die auch als "Nobelpreis der Musik" bezeichnet wird.

Er selbst sei vollkommen erstaunt gewesen, als er von der Nominierung gehört habe, sagte Ferneyhough vor der Preisverleihung. Es habe auch noch viele andere gegeben, die den Preis verdient hätten. Der Preis stehe letztlich für alle, die sich mit der neuen Musik beschäftigen. Und er sei auch ein Mahnzeichen dafür, sich mit dieser Musik auseinander zu setzen, die "vollkommen weg von den Massen ist". Natürlich werde er auch nach dem Preis weiter arbeiten, sagte Ferneyhough: "Man lebt für das Komponieren." Allerdings habe er sich zuerst schon gefragt: "Bin ich schon am Ende?"

Ganze Generation von Komponisten geprägt

Ferneyhough gilt nach Auffassung der Jury als einer der wenigen Komponisten, der die Ansätze der Avantgarde in den 50er und 60er Jahren musikalisch und theoretisch weiter entwickelt hat. Als Kompositionslehrer habe die Leitfigur der so genannten New Complexity ganze Generationen von Komponisten geprägt. 2004 wurde bei der Münchner Biennale für neues Musiktheater seine bislang einzige Oper "Shadowtime" uraufgeführt. Ausgehend von Walter Benjamins Tod 1940 bei der Flucht vor den Nazis fächert er darin Aspekte des Benjaminschen Denkens musikalisch auf.

Neben dem scharfsinnigen, analytischen Geist und der unbändigen Fantasie zeichne Ferneyhough der Forschergeist aus, sagte der Musikwissenschaftler Ulrich Mosch in seiner Laudatio. "Seine Werke loten vielfach Grenzregionen aus." Ferneyhoughs Musik bedürfe des Sich-Einlassens, "weil es keine Musik ist, die ihre Reichtümer offen zu Markte trägt", betonte Mosch. "Ihre unter der schimmernden Oberfläche verborgenen Tiefendimensionen entpuppen sich erst nach und nach, bei mehrfachem Hören, bei näherer Beschäftigung."

Schwierige Stücke

Der 64 Jahre alte Ferneyhough gilt als der intellektuellste unter den zeitgenössischen Komponisten. Seine fast alle vom Arditti Quartett uraufgeführten Streichquartette gehören zu den schwierigsten Stücken der Gattung. Manche seiner Werke sind sehr schwer zugänglich - vor allem, wenn er mit Zahlenreihen, Transformationen und Modulen operiert. So erklang bei den Donaueschinger Musiktagen im vergangenen Herbst erstmals sein Orchesterstück "Plötzlichkeit", das aus 111 kürzesten Sektionen besteht. Ferneyhough ist seit 2005 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Außerdem wurden noch Förderpreise in Höhe von 1,8 Millionen Euro vergeben. Sie gingen unter anderem an die Donaueschinger Musiktage, das Lucerne Festival, die Münchner Biennale, das Münchner Kammerorchester und die Bamberger Symphoniker sowie an die Festivals für neue Musik in Hamburg und Rostock. Die zwei Komponisten- Preise erhielten der Litauer Vykintas Baltakas und der Deutsche Markus Hechtle. Mit Sonderpreisen wurden die Musikwissenschaftler Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn sowie der Pianist Herbert Henck bedacht. (tso/dpa)

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