Kultur : Eierkuchen à la française

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Was macht man mit zwei Leuten, die sich partout nicht leiden können? Die wie Hund und Katze, spitzzüngig und scharfkrallig, immer wieder aufeinander losgehen und damit in einer allgemeinen Heiratswut, einer groß inszenierten Hochzeitsshow, furchtbar nerven? Ganz einfach: man streut das Gerücht aus, dahinter stecke in Wahrheit leidenschaftliche Liebe, die dadurch in den heimlich Lauschenden auch erweckt wird. Man überrascht sie beim Stelldichein und schleppt sie triumphierend vor den Altar. Friede, Freude, Eierkuchen!?

Das ist die Geschichte von „Béatrice und Bénédict“, nach Shakespeares „Viel Lärm um nichts“, 1858 federleicht vertont von Hector Berlioz und zur diesjährigen „Sommeroper“ der Berliner Humboldt-Universität ausgekürt. Cornelia Just nimmt sich ihrer mit liebevoller (Selbst-)Ironie an, stürzt sich dabei - wie mit den kritischen Augen ihrer Hauptfiguren gesehen - besonders ideenreich auf die Konventionslust ihrer Umgebung. Das beginnt mit der Bühne: Die Zionskirche - bei der Premiere Ausweichort wegen Dauerregens - verwandelt die Regisseurin und gelernte Bühnenbildnerin mit ein paar Beleuchtungstricks (Lichtdesign: Steffen Heinke) und einfallsreicher Choreografie in eine romantisch-antikisierende Kulisse. Hier darf Humboldts Philharmonischer Chor von höchsten Emporen aus lange Hälse nach dem Ja-Wort von Héro und Claudio (Raphael Schwarzer) machen. Sie zucken im Takt der Musik wie zur Love Parade und erstarren gleich darauf zum braven Schulensemble, das der geniale Musikmeister Somarone (mit groteskem Furor: Volker Giese) durch seine „Hochzeits-Fuga“ (= „Flucht") lotst. Alle kriegen hier ihr Fett weg - auch die Komponisten.

Wenn aber die stimmlich wie körperlich sehr präsente Lisa Laccisaglia (Héro) die Ehe lobt und dazu den Brautkranz so zerpflückt, dass zum Schluss ein nacktes Gerippe wie eine Dornenkrone auf ihren Locken sitzt, sieht es schon düsterer aus. Es ist überhaupt eine Musik, die bei aller Parodierlust etwa des verhassten Rossini immer wieder Ernst macht. Etwa bei Héros poetischem Duett mit der interessanten Altstimme von Natascha Antoniazzo (Ursule). Oder durch die akribische Energie, mit der Dirigent Constantin Alex die Laienensembles Humboldt-Chor und -Philharmonie zu Höchstleistungen anfeuert. Und erst recht bei den Hauptfiguren: Julia Rutigliano hat als zickige Béatrice eine untergründige Glut in der Stimme, Stefan Knispels Bénédict erfreut mit fast zu liebenswürdig strahlendem Tenor. Mit Schwung und Laune, stimmlich wie schauspielerisch großem Können sind auch die übrigen Beteiligten bei der Sache. Der Friede-Freude-Eierkuchen ist also bei dieser sommerleichten Produktion kräftig gesalzen und gepfeffert. Isabel Herzfeld

Noch heute sowie am 19. u. 20.7., 21.30 Uhr im Innenhof der Humboldt-Universität.

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