Kultur : Ein Abschied und ein Neubeginn

Endlich geht es los mit dem Wiederaufbau des Neuen Museums. 2009 soll Stülers Werk neu erstrahlen. Jetzt gibt es Führungen durch die kriegsbeschädigten Räume

Bernhard Schulz

Seit der glanzvollen Eröffnung der Alten Nationalgalerie Ende 2001 hingen Sorgenwolken über der Museumsinsel. Das Land Berlin brach als Mitfinanzier weg, die Planungen zogen sich hin; schließlich schien selbst der Masterplan, der den Wiederaufbau aller fünf Häuser sinnvoll ordnet und ihre Verbindung durch eine unterirdische „archäologische Promenade“ vorsieht, gefährdet.

Die Gefahr ist durchaus noch nicht gebannt, und so hielt es Architekt David Chipperfield gestern für geboten, den nunmehr anstehenden Baubeginn beim Neuen Museum als „wichtiges Signal“ zum Festhalten am Masterplan zu werten. Ansonsten herrschte bei den gestrigen Feierlichkeiten eitel Freude: Endlich geht’s los mit dem Wiederaufbau dieses im Krieg am schwersten in Mitleidenschaft gezogenen Hauses. Nach sieben Jahren Diskussions- und Konzeptionsphase seit der Wiedervereinigung der Staatlichen Museen 1990 und weiteren sechs Jahren Planungszeit durch den stillen, beharrlichen Londoner Chipperfield brechen nun sechs Jahre Bauzeit an, auf dass im Herbst 2009 die Wiedereröffnung dieses „ersten gebauten Universalmuseums“ gefeiert werden möge, wie Museums-Generaldirektor Peter-Klaus Schuster den von Friedrich August Stüler 1843 begonnenen und 1859 fertig gestellten Bau nannte. Daneben betonte Schuster allerdings auch die ingenieurtechnische Modernität des Gebäudes, das eine der frühesten eisernen Deckenkonstruktionen in Preußen aufwies: eine „Verbindung von Schinkel und Borsig“.

Nach dem Sturm vom Vortag hatte das Wetter ein Einsehen und gestattete eine Feier im Freien vor dem bereits mit Bauplanen verhüllten Museum. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, nannte Stülers Museum den „Dreh- und Angelpunkt des Masterplans Museumsinsel“. Kulturstaatsministerin Christina Weiss nahm den Ball auf und sagte, zum Masterplan „mit all seinen Elementen“ gebe es „keine wirkliche Alternative“.

„Deutschlands kostbarste Kriegsruine“, im November 1943 ausgebrannt und im Februar 1945 durch Sprengbomben ihres Nordwestteils beraubt, wird nach Chipperfields Plänen dort, wo die historische Substanz es erlaubt und fordert, denkmalpflegerisch restauriert. Wo der Krieg die so ungemein reiche Innenausstattung vernichtet hat, wird das Haus in zeitgenössischer Formensprache ergänzt und erneuert. Das betrifft neben der fehlenden Gebäudeecke vor allem das grandiose Treppenhaus als Mittelpunkt der Gebäudeorganisation. Die Bausumme – die nach dem Ausstieg Berlins ganz allein vom Bund aufgebracht wird – ist vom Bundestag mit 233 Millionen Euro bewilligt worden; dazu müssen die bereits erbrachten Leistungen für die Fundamentierung des in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr gefährdeten Bauwerks in Höhe von rund 50 Millionen Euro hinzugerechnet werden. Allein die Hälfte der Bausumme wird für die Restaurierung der Altsubstanz veranschlagt. Hier hat die lange Planungszeit ihr Gutes bewirkt, denn das ganze Ausmaß der historischen Bedeutung des Stüler-Baus ist erst in jüngster Zeit zu Tage getreten.

Um dies jedermann vor Augen zu führen, gibt es unter dem Motto „Ein letzter Blick“ von heute an bis einschließlich 1. Juli dreimal täglich Führungen durchs Haus (Anmeldung unter Telefonnummer 20905566): ein Abschied und ein hoffnungsvoller Neubeginn, ein letzter Blick vor dem ersten in 2009.

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