Kultur : Ein Bau, und Ruhm für immer

Zum Tod des dänischen Architekten Jørn Utzon

Falk Jaeger
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Jørn Utzon.

Nur wenige Baukünstler werden so konsequent mit nur einem, ihrem Hauptwerk identifiziert wie Jørn Utzon, der Erbauer des markanten Opernhauses am Hafen von Sydney. Als unbekannter Architekt hatte er 1956 den Wettbewerb gewonnen und sich ans Werk gemacht. Doch vollenden konnte er es nicht, denn sieben Jahre nach dem ersten Spatenstich verließ er nach endlosen Querelen entnervt den fünften Kontinent und hat ihn seither nie wieder betreten. Explodierende Kosten und Fehler in der Bauausführung hatten zum Eklat geführt. Die Oper wurde nach fremden Plänen fertiggestellt und erst 1973 von der Queen eingeweiht.

Dennoch, das signifikante Bauwerk gilt als sein Geniestreich und als Ikone der Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts. Es hat Frank O. Gehry zu seinem Formenrepertoire inspiriert – weshalb der sich als Juror des Pritzkerpreises 2003 für den Dänen stark gemacht hat.

Utzon selbst, im April 1918 in Kopenhagen geboren und dort an der Königlichen Kunstakademie bei Steen Ejler Rasmussen und Kay Fisker zum Architekten ausgebildet, arbeitete anschließend bei Gunnar Asplund und Alvar Aalto und ließ sich während eines Studienaufenthaltes in Taliesin East von Frank Lloyd Wright inspirieren. So kam es, dass er die klassische Disziplin Asplunds, die expressive Ausdruckskraft Aaltos und das organische Naturverständnis Wrights in seinem Werk vereinen konnte.

Zurück aus Sydney wurden ihm zahlreiche Aufträge zuteil, in Dänemark und Schweden, aber auch in Sambia und Südafrika. Die Mehrzahl jedoch, darunter der Entwurf für das Theater in Zürich oder jener für das Kunstmuseum Silkeborg, kam nicht zur Ausführung. Gebaut wurde die in Architektenkreisen hoch geschätzte Gartenhofsiedlung Kingo in Helsingør (1960), die mit ihren beschwingten Häuserreihen die Bewegung der Landschaft nachvollzieht und Natur und Wohnwelt in wunderbare Harmonie miteinander bringt. Eine weitere Siedlung traumhaft mit der Landschaft verschmelzender Backsteinhäuser entstand 1963 in Fredensborg. Die expressive Bags vaerd-Kirche bei Kopenhagen (1976) und das Parlamentsgebäude in Kuwait (1972–87), das nach Zerstörungen im Golfkrieg 1972 stark verändert wieder aufgebaut wurde, gehören schon zu Utzons Spätwerk.

Von einer Nervenkrankheit beeinträchtigt, zog er sich in den siebziger Jahren nach Mallorca zurück, wo er sich 1974 ein erstes Haus im mallorquinischen Stil errichtete. Ein zweites Haus entstand 1995 in den Bergen. Nur selten verließ er die Insel, um seine Heimat zu besuchen. Den Pritzkerpreis 2003 ließ er von seinem Sohn in Madrid entgegennehmen.

Die späte Ehre blieb auch in Sydney nicht ohne Wirkung, denn dort beschloss man, das Opernhaus nach den Originalplänen zu renovieren und fertigzustellen, vor allem die schwarze Innenausstattung durch Utzons farbenfrohe Entwürfe zu ersetzen. Doch Sydney blieb die Tragik seines Lebens, denn die Ausführung der Pläne durch Sohn Jan Utzon hat er wieder nicht erleben können. Jørn Utzon starb am Samstag Morgen im Alter von 90 Jahren. Falk Jaeger

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