Kultur : Ein Bericht aus dem Inneren der Macht nach dem Kalten Krieg

Robert Ide

Das ist ein gefüllter Hut voller gut bewaffneter Kaninchen." Mit diesen Worten beschrieb Margaret Thatcher die britische Skepsis vor grundlegenden Reformen in Osteuropa. Die nie um einen zynischen Satz verlegene britische Premierministerin stieß jedoch in Washington auf Kopfschütteln. Dort war man sich bereits im Frühjahr 1989 sicher, dass die Demokratie durch das von Gorbatschow geöffnete Fenster schlüpfen und die Teilung Europas beenden würde. Diese Version verbreitet zumindest der Historiker Robert L. Hutchings, der den Umbruch als außenpolitischer Berater von US-Präsident Bush erlebte. Seiner Meinung nach verfolgten die Vereinigten Staaten eine "grand strategy", die zielstrebig eine neue Weltordnung erschuf. Für Hutchings besteht die amerikanische Leistung im Beharren auf ein freies Europa. Obwohl sich der Autor Selbstlob nicht verkneifen kann, gewährt er spannende Einblicke in die amerikanische und europäische Diplomatie. Am Ende plädiert Hutchings für eine weitere Führungsrolle der USA. Im Weißen Haus glaubt offenbar niemand an Zauberhüte und Kaninchen.Ein Bericht aus dem Innern der Macht. Alexander Fest Verlag, Berlin 1999. 485 Seiten. 58 DM.

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