Kultur : Ein Berliner aus Tokio

Bernhard Schulz

Während über die Verlagerung der Dahlemer Museumssammlungen nach Berlin-Mitte diskutiert wird, konnten ebendort zwei Wiedereröffnungen gefeiert werden. Die Neueinrichtungen der Museen für Osasiatische sowie für Indische Kunst markieren zwei Höhepunkte im Jahr 2000 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Soeben liegt die neue Folge ihres Jahrbuchs vor, das diese Ereignisse dokumentiert - sowie zwei weitere Höhepunkte: die Aufnahme der Museumsinsel in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes sowie die Übereignung der Sammlung Berggruen. Dass es sich bei letzterer nur um eine Teilübereignung handelte, nachdem über den Ankauf der Cézanne-Gemälde keine Einigung erzielt werden konnte, verschweigt das Jahrbuch allerdings.

Vier Ereignisse, vier getreuliche Aufzeichnungen aller Festreden - und vier Mal dieselbe Frage beim Leser: ob nicht über den "Mitschnitt" der Ansprachen hinaus jeweils auch ein kritisch würdigender Aufsatz zum jeweiligen Thema angebracht wäre. Die Neueinrichtung der beiden so vorzüglichen Museen außereuropäischer Kunst in Dahlem beispielsweise steht im Kontext einer weltweiten Diskussion über den Dialog der Kulturen, den zu erwähnen dem Jahrbuch wohl anstünde. Und die Unesco-Würdigung ist von Rückwirkungen auf die Sanierung der Museumsinsel nicht frei. Die im Berichtsjahr getroffene Entscheidung zur Sanierung des Pergamon-Museums wird im Bericht des Stiftungspräsidenten lediglich gestreift - es fehlt eine ausführliche Vorstellung des durchaus strittigen Wettbewerbs. Gleiches gilt für die Konkurrenz zur Staatsbibliothek Unter den Linden.

Ansonsten verzeichnet das Jahrbuch die wichtigsten Aktivitäten und Erwerbungen der Stiftungseinrichtungen. Dabei steht nochmals das Ostasiatische Museum im Brennpunkt. Das Angebot des in Tokio ansässigen deutschen Sammlers Klaus F. Naumann, seine exquisiten Ostasiatica auf Dauer nach Berlin zu geben, gab überhaupt den Anstoß zur Neugestaltung des Hauses. So entbehrt es nicht der Ironie, dass ausgerechnet im zur Disposition gestellten Standort Dahlem die Wiederanknüpfung an eine große mäzenatische Tradition gelingt, der gerade die Berliner Museen außereuropäischer Kunst und Kultur so viel verdanken.

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