Kultur : Ein Berliner

Ernst-Reuter-Plakette für Imre Kertész

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Seit gestern hat die Reihe der Träger der Ernst-Reuter-Plakette, der höchsten Auszeichnung Berlins, ein neues Mitglied, und das Rote Rathaus das Erlebnis einer bewegenden Stunde. Denn der neue Preisträger ist Imre Kertész, und kein geringerer als Staatsopern-Generalmusikdirektor Daniel Barenboim machte seinem Autoren-Freund und dem kleinen Festakt das Geschenk eines Schubert-Impromptus, sozusagen privatim, ganz jenseits des offiziellen Programms. Zusammenklang der Sympathien auch sonst. Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister, ehrte den Nobelpreisträger, der einen guten Teil des Jahres in der Stadt lebt, als Berliner, „der uns mit seiner Zuneigung zugleich beschämt und eine große Verantwortung aufbürdet“. „Nach dem Zeitalter der Extreme“ müsse sich die Stadt als „bewohnbarer Ort“ – Kertész’ keusche Lob-Formel für Berlin – bewahren. Laudator Wolf Lepenies erinnerte daran, dass er als Rektor des Wissenschaftskollegs Kertész 1995 eingeladen hatte; sieben Jahre später kam er, kurz darauf der Nobelpreis. Kertész, sichtlich gerührt, bedankte sich, in raunendem Ungarn-Deutsch, mit jenem Text „Mein Berlin“, in dem er seine Anhänglichkeit an diese Stadt ausgesprochen hat. Sie gelte ihrer Offenheit, ihrer liberalen Weltanschauung, ihrer Neugier. Berlin als Lebensform? Das sei, versicherte der neue Reuter-Plaketten-Träger, jeder Anstrengung wert. Rdh.

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