Kultur : Ein Bild ist ein Bild, nicht mehr, nicht weniger

ELFI KREIS

Figur und Raum sind seine Themen: Burkhard Helds Ausstellung in der Galerie BrusbergVON ELFI KREISUnter dem Titel "Berliner Fenster" zeigt die Galerie Brusberg neue Bilder und Radierungen des 1953 in Berlin geborene Malers Burkhard Held.Der Meisterschüler von Dietmar Lemcke hat seit 1993 eine Professur an der Hochschule der Künste inne, wo er bereits Ende der achtziger Jahre als Gastprofessor tätig war.Es ist seine zweite Einzelschau bei Dieter Brusberg. Das Verhältnis von Figur und Raum ist sein zentrales Thema.Betonte Flächigkeit, Tektonik, die aus der Anordnung gestaffelter Farbflächen entwickelte Konstruktion der Komposition lassen keinen Zweifel aufkommen: für Held ist ein Bild ein Bild, nicht mehr und nicht weniger.Held will mit seinen Bildern nicht die Illusion eines Abbildes von Wirklichkeit vermitteln.Fensterformen sind wesentliche Raumelemente seiner nahezu leeren Interieurs, die er allenfalls mit einer vage in Aufsicht angedeuteten Tischplatte plus Stuhllehnen ausstattet.Den Blick nach draußen aber erlauben die Fenster nicht.Nur noch die Ahnung eines Himmels spiegeln die Farbfelder von kräftigem Blau bei "Nachtlicht" (8000 DM) bis zum signalhaften Leuchten im "Fenster - Orange mit weiblicher Figur" (10 500 DM). Zu kantigen Körperstelen und scherenschnittartigen Silhouetten reduziert der Künstler seine meist weiblichen Aktfiguren.Eine rote, statuarische Figur, die ein blauer Schatten umhüllt, setzt sich bei einem unbetitelten Porträt von 1995 noch deutlich vom dunklen Hintergrund ab.Später werden Helds Figuren immer substanzloser und schemenhafter.Seine Figurensilhouetten scheinen nun vielfach in den Raum einzutauchen, sich in diesem regelrecht aufzulösen, bis sie sich ganz von ihrem Raumrahmen lösen und isoliert auf zweiteiligen Arbeiten eine eigene Leinwand beanspruchen.Bei dem Diptychon "Fenster - Orange mit weiblicher Figur" wird der Frauenakt zu einer Farberscheinung im Gegenlicht, dessen Flächengestalt nur durch ihre umrißhafte Licht- und Farbkorona sichtbar wird. Zu dem Bruch zwischen den isolierten Leinwänden verordnet Held den abstrahierten Figurenandeutungen noch eine zusätzliche, desillusionierende Amputation.Als habe man den oberen Streifen der Leinwand abgerissen, wird der gesichtslose Kopf nun zum Teil abgeschnitten, als wolle der Maler auf diese Weise nochmals den Charakter seiner Bildfiguren als rein künstlerische, fiktionale Existenzen unterstreichen.Der Raum bietet Helds Figuren keine Grundlage für Kontaktaufnahme mehr, er erschließt ihnen keinen Aktionsradius. Bei den dazugehörigen, mit "Interieur" oder "Fensterfiguren" betitelten Einzelblättern der Druckgrafiken (360 DM) bedingt die dem Medium gemäße Betonung der Linie hingegen eine wechselseitige Bezugnahme von Figur und Raum.Vorgestellt wird die Kassette "Einmal im Sturz der Bilder und Fluten" mit vierundzwanzig Radierungen (3600 DM) und "Epilog" eine Folge von acht Blättern (2400 DM). Galerie Brusberg, Kurfürstendamm 213, bis 25.April; Dienstag bis Freitag 10-18.30 Uhr, Sonnabend 10-14 Uhr; Kat.10 DM.

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