Kultur : Ein Bildband für alle mit Überblick

Lothar Heinke

Die nicht mehr zählbaren Bücher, die Berlin in bunten Farben abbilden und mit lobenden Worten bedenken, sind um einen Text-Bild-Band reicher geworden: "Sprung in die Zukunft" nennt der Jaron-Verlag die Arbeit von Christian Bahr, und jedem, der das Buch mit Fotografien von Günter Schneider unschlüssig in der Hand hält, sagt der Untertitel, dass es hier schlicht und einfach um das neue Berlin geht. Bildbände haben es so an sich, dass sie ihre Objekte glorifizieren. Fotografischen Heiligenschein haben Projekte wie Reichstag, Velodrom, Jüdisches Museum, Spandauer Bahnhof, Spittelmarkt oder das bunte Quartier Schützenstraße von Aldo Rossi freilich gar nicht nötig. Selbst Einheimische haben es manchmal schwer, all die Zeugnisse neuerer Baukunst im Auge zu behalten. Dieses Buch bietet einen guten Überblick, erinnert an die Geburtswehen so mancher Planungen, beschreibt einige Schwierigkeiten, mit denen es die Gestalter des Neuen zu tun hatten, wie auch Differenzen bei der Beurteilung des fertigen Produkts (wie beim Hotel Adlon und beim Lindencorso). Gerade bei dem kompakten Bau von Christoph Mäckler an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße scheiden sich die Geister. Wenn Bahr meint, die DDR-Planer hätten an dieser Stelle die Friedrichstraße "in einen formlos wirkenden, überbreiten Platz aufgelöst", muss doch gefragt werden, ob der breitbeinige Nachfolgebau ein Ersatz für die locker-lichte Qualität des vielbesuchten "überbreiten Platzes" mit Springbrunnen, Bänken, Caféterrasse und Moccabar darstellt.

Das prächtig fotografierte Buch mit Bildern aus allen nur möglichen Perspektiven dürfte auch für Neu-Berliner hilfreich sein, zumal sie hier erfahren, was in dieser Stadt in den letzten zehn Jahren gebaut wurde - eine Leistung, die den Berliner ein bisschen stolz machen kann und dem Zugereisten Anerkennung abverlangt.Christian Bahr/Günter Schneider (Fotos): Sprung in die Zukunft. Jaron-Verlag, Berölin 1999, 112 Seiten, 39,80 DM.

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