Kultur : Ein bisschen Drama

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Gregor Dotzauer trauert um das Frankfurter Theater am Turm

Was es ist: nun ja. Der matte Glanz des Frankfurter Theaters am Turm kommt nicht allein von seinen jetzigen Tom Kühnel und Robert Schuster, die wiederum Frankfurts Ballettchef William Forsythe unterstehen. Nein: Aus der Vergangenheit strahlt ein allzu gleißendes Licht. Denn was war das TAT? Die Bühne, an der Claus Peymann 1966 die Uraufführung von Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ inszenierte. Das Haus am Eschenheimer Turm, in dem Fassbinder 1974 acht Monate in einem am Mitbestimmungsmodell verzweifelnden Direktorium mitstrampelte. Und ab 1980 ein Gastspieltheater, das unter Peter Hahn und später Christoph Vitali aufregende Ensembles zwischen Tanz und Musik ans Haus band und nicht zuletzt durch sein Café ein fester Treffpunkt in einer traurigen Stadt war, die immer trauriger geworden ist.

Ab Sommer 2004 will sich Frankfurt das TAT nun sparen. Es kann schon sein, dass es im Moment tatsächlich keiner braucht. Als Marke ist das TAT seit seinem Umzug ins Bockenheimer Depot, das schon vielen als Auftrittsort gedient hat, nie mehr auferstanden. Und das Multimedia-Experimentierfeld wird von Elisabeth Schweegers kommunalem Schauspiel und dem Mousonturm abgedeckt: Parallelen zur Umdefinition der Berliner Schaubühne und des Hamburger Schauspielhauses, das jetzt der ehemalige TAT-Mann Tom Stromberg leitet, sind offensichtlich. Aber was geschieht, wenn Frankfurt mal wieder Lust auf einen gediegenen Tschechow mit Samowarduft bekommt? Wird man dann die bunte TAT-Tradition wieder aus dem Stadtsäckel zaubern? In den guten Zeiten des Hauses, Mitte der Achtziger, fegte einmal ein Cabrio mit Tempo 100 über die Eschersheimer Landstraße und schlidderte quietschend an den Straßenrand. Heraus sprang eine barfüßige Schönheit, tänzelte zum Eingang und verkündete lächelnd: „Ein bisschen Drama muss sein!“ Das jetzige ist leider von einer anderen Sorte.

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