• Ein bisschen Lärm muss sein Jüdische Kulturtage: Uraufführung im Hackeschen Hof-Theater

Kultur : Ein bisschen Lärm muss sein Jüdische Kulturtage: Uraufführung im Hackeschen Hof-Theater

Simone Kaempf

Am Anfang geschieht das Wunder der Auferstehung. Aber so ein Wunder kann eine rücksichtslose Angelegenheit sein. „Was haben wir nur Schreckliches getan?“ fragt Frau Klug, die sich zusammen mit Herrn Klug, Rosenstein und Löwy plötzlich quietschlebendig in einer Bibliothek wiederfindet. Auferstanden aus alten Büchern und Theaterstücken, ob man nun will oder nicht, was einen schönen Stoff für eine Komödie liefert.

Das Thema der Wiederkehr ist in jeder Hinsicht ausgiebig untergebracht in „Die Wiederkehr der Schauspieltruppe des Jizchak Löwy nach Berlin“, dem neuen Stück am Hackeschen Hof-Theater, das während der Jüdischen Kulturtage uraufgeführt wurde. Den Schauspieler Jizchak Löwy etwa hat es tatsächlich gegeben. Seine gestenreichen Darstellungen faszinierten Franz Kafka, der in Briefen an Felice Bauer von der Ausdruckskraft des Schauspielers schwärmte. Passagen aus Löwys Rolle in Jakob Gordins „Der wilde Mann“ sind in die „Wiederkehr“ eingeflossen. Wie auch kurze Szenen aus zwei anderen Stücken, die einst in den Archiven der Polizeizensur lagerten, zu jener Zeit um die Jahrhundertwende, als im Scheunenviertel etwa 20 kleine Bühnen Jiddisches Theater spielten.

Regisseur und Autor Burkhart Seidemann lässt die Schauspieler auf der Bühne des Hackeschen Hof-Theaters in einem bunten Bilderbogen durch das Berlin-Mitte der Gegenwart ziehen. Man trifft auf Obdachlose, Straßenmusikanten oder Beamte, die stur nach Aufenthaltsgenehmigungen fragen, sucht an der Münzstraße nach den alten Bühnen, auf denen man früher gespielt hat und findet doch nur eine missgelaunte Theaterprinzipalin, deren Haus von Geldnöten und von den Nachbarn bedroht ist, die sich über den Lärm beschweren.

Womit das Hackesche Hof-Theater einen Einblick in seine eigenen Probleme gestattet. Burleske Szenen wechseln sich reibungslos mit Gesangseinlagen und melancholischen Erinnerungen ab; Boulevardtheater, Klamotte und Musical vermischen sich. Die tiefer gehenden Fragen in dem psychologischen Unterfutter des Textes werden durch einen naiven Ton auf der Bühne immer wieder verharmlost.

Man kann sich an dem schönen ausdrucksstarken Spiel erfreuen, mit dem hier die Tradition des Jiddischen Theaters gepflegt wird. Aber die im Komödiantischen gesuchte ernsthafte Durchdringung des Hier und Jetzt mit der Vergangenheit, die man sich mit diesem Stück zur Aufgabe gemacht hat, kommt nicht über eine Verdoppelung der Zustände hinaus.

Wieder am 15., 16., 20., 22., 23., 27.-30.11., jeweils 20 Uhr, Rosenthaler Str. 40/41

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