Kultur : Ein Buch der US-Botschaft erinnert an die letzten fünf Jahrzehnte

Helmut Trotnow

"Dieses Buch ist den Menschen in Bonn gewidmet, die in den letzten 50 Jahren unsere Freunde waren und die deutsch-amerikanische Freundschaft mit uns begründet haben." So beginnt ein Erinnerungsband, den die US-Botschaft aus Anlass ihres Umzuges nach Berlin herausgegeben hat. "Die Mission ist erfüllt", lautet übersetzt der englischsprachige Titel. "50 Jahre Amerikaner am Rhein" heißt die deutsche Version. Der Band ist zweisprachig und will Amerikaner wie Deutsche daran erinnern, wie und warum sich die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach der Katastrophe des Dritten Reiches so positiv entwickelt hat.

Selbstverständlich war dies nicht. General Eisenhower, später US-Präsident, war höchst skeptisch. Botschafter John C. Kornblum zitiert in seiner Einleitung dessen berühmten Ausspruch vom Juni 1945: "Der Erfolg der Besetzung kann erst in 50 Jahren beurteilt werden. Wenn die Deutschen bis dahin eine stabile und blühende Demokratie haben, dann werden wir erfolgreich gewesen sein."

Der Text- und Bildband ist gelungen, denn es bleibt nicht beim Rückblick. Im Kontext der Geschichte ist der Umzug dann nicht mehr als ein Zwischenschritt. "Ich bin davon überzeugt", offenbart der Botschafter erstaunlich freimütig in seinem Beitrag, "dass das Beste noch vor uns liegt".

Die Bilder des Bandes stammen vorwiegend aus dem Fotoarchiv der Botschaft. Wie der ehemalige Leiter, Otto M. Artus, berichtet, dürfte dieses Archiv wohl die größte Sammlung zur Vor- und Frühgeschichte der Bundesrepublik umfasst haben. Die Zeitungen "Heute" und "Neue Zeitung" konnten im Auftrag der US-Militärregierung alle Ereignisse aus nähester Nähe dokumentieren. Leider wurde dieses Archiv später dezimiert. Die Botschaft brauchte Platz. Der Verlust ist offenkundig, wie das Bild des nachdenklichen Harry S. Truman vor der Büste von Ludwig van Beethoven verdeutlicht. 1956 kam der ehemalige US-Präsident nach Bonn. Als passionierter Klavierspieler besuchte er natürlich auch den Geburtsort des größten Sohnes der Stadt.

Die Textbeiträge sind in zwei Abschnitte gegliedert. Zum einen sind es prominente Autoren, die als Zeitzeugen über Themen und Stationen der deutsch-amerikanischen Beziehungen reflektieren. Henry Kissinger und Richard Holbrook gehören dazu, aber auch der Historiker Fritz Stern oder Andrew Goodpaster, engster Mitarbeiter Eisenhowers und später Oberkommandierender der Nato. Mit Karl Kaiser und Helga Haftendorn kommen sogar zwei Deutsche zu Wort.

Zum anderen stammen die Textbeiträge von Mitarbeitern der Botschaft. Dabei wird deutlich, dass diese ein gelungener Schmelztiegel deutsch-amerikanischer Kontakte war, angefangen bei Heinz Herchen, dem legendären Fahrer fast aller US-Botschafter in Bonn. Die Beiträge liefern zudem interessante Details. Wer wusste schon, dass John McCloy, höchster amerikanischer Repräsentant in der Bundesrepublik, mit Konrad Adenauer verwandt war. Die Großväter ihrer Ehefrauen waren Brüder.

Das amerikanische Denken und Handeln nach 1945 wird nur verständlich, wenn man die Erfahrungen der US-Bürger am Ende des Ersten Weltkrieges berücksichtigt. Damals hatte sich US-Präsident Woodrow Wilson mit seiner Vision eines gerechten Friedens nicht durchsetzen können. Gewollt und ungewollt zogen sich die USA aus Europa zurück, um gut 20 Jahre später erneut in die kriegerischen Konflikte Europas hineingezogen zu werden. Nazi-Deutschland drohte weite Teile der Welt unter seine diktatorische Kontrolle zu bringen. Alle Verantwortlichen von 1945, ob auf politischer oder militärischer Ebene, hatten dieses "Scheitern" der US-Politik bewusst miterlebt. Diese Erfahrung sollte sich auf keinen Fall wiederholen. Europa, so das amerikanische Ziel, sollte demokratisch und friedlich werden.

Für ihren Umzug nach Berlin, so die amtierende US-Außenministerin Albright in ihrem Grußwort, wird die Botschaft ein "Bonner Vermächtnis" mitnehmen: "eine Vision von einem deutsch-amerikanischen Verhältnis, das im Zentrum der atlantischen Partnerschaft steht und einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, Demokratie, Wohlstand und Frieden in Europa und anderswo zu erhalten und zu fördern". Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Bonner Botschaft als etwas Neues angelegt worden war. Sie war, wie Kornblum bestätigt, "die erste große amerikanische Vertretung im Ausland, die dafür entworfen worden war, Amerikas neuer Rolle in der Welt gerecht zu werden".A Vision Fulfilled: 50 Jahre Amerikaner am Rhein. Zu beziehen über die US-Botschaft in Bonn, Deichmanns Aue 29, 53170 Bonn.

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