Kultur : Ein dickes Versprechen

C/O Berlin feiert – und Wowereit sagt Hilfe zu

„Wir werden kämpfen!“, ruft Stephan Erfurt als Gastgeber der Zehnjahresfeier von C/O Berlin am Mittwochabend in dem von Fans und Kulturprominenz gefüllten Innenhof des einst kaiserlichen Postfuhramts. Bis in die späte Sommernacht sind 3000 Gäste zur Geburtstagsfeier des international renommierten Forums für Fotokunst gekommen. Doch es herrscht nicht ungetrübte Freude. Denn das Postfuhramt ist kürzlich an einen Investor in Tel Aviv verkauft worden, der C/O Berlin zum März 2011 gekündigt hat. Im Hof will der Investor ein bis zu 14-stöckiges Hotel bauen, das denkmalgeschützte Postfuhramt soll eine Shopping-Mall werden. Als C/O-Gründer Stephan Erfurt nach nun fast 70 Ausstellungen, über 100 internationalen Kongressen, weltweit erfolgreichen Wettbewerben für junge Fotokünstler und zuletzt 180 000 Besuchern im Jahr die Frage stellte, ob für diese private, ohne Steuergelder getragene Initiative „bald alles vorbei sein soll“, schallt es aus der Menge: „Nein!“ Und das ist die Botschaft auch vom Regierenden Bürgermeister.

Klaus Wowereit sagt in seiner Geburtstagsrede, dass er zwar nicht das erhoffte Geschenk einer neuen Immobilie für C/O Berlin mitgebracht habe. Aber er gebe als „bekennender Fan der Fotografie“ das „dicke Versprechen, hier weiterzuhelfen“. Zunächst gehe es darum, „diesen Standort so lange wie möglich zu erhalten“, zumal für 2011 bereits die Verträge über mehrere Großausstellungen unterschrieben sind. Wowereit beteuert, man müsse dem neuen Investor klarmachen, dass es „blödsinnig wäre“, einen solchen Mieter vor die Tür zu setzen, „bevor tatsächlich der Bau beginnt“. Die Hauptstadt und Deutschland hätten durch „den Erfolg von C/O Berlin viel gewonnen“, deshalb sei das Ganze zwar „eine Privatinvestition, aber keine Privatsache“.

In dieses Horn stößt auch Monika Grütters, CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses im Parlament. Es dürfe nicht sein, dass im Schatten des Centrum Judaicum und der Großen Synagoge an der Oranienburger Straße „eine elende Shopping-Meile einzieht“. Wegen der „einzigartigen Talentprogramme“ von C/O Berlin gehe es „auch um die Bildungspolitik“. Auf dass die Kunst nicht ganz vergessen werde, ersteigt danach der weißhaarige John Morris die Bühne. Morris hatte als Bildredakteur der zum Ende des Zweiten Weltkriegs gegründeten Foto-Agentur Magnum jene legendären Bildkünstler betreut, die in der Jubiläumssausstellung im Postfuhramt zu sehen sind: Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David Seymour und andere. Als Morris den „spirit of Magnum“, die berühmte „family of man“ beschwört, sind im Publikum denn auch ein paar lebende Fotografen-Legenden wie Robert Lebeck oder der Amerikaner Saul Leiter sichtlich gerührt. P.v.B.

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