Kultur : Ein Fest für Weihnachtshasser

Ayckbourns „Schöne Bescherungen“ am Berliner Renaissance-Theater

Patrick Wildermann

Gleich wird’s blutig, Onkel Harvey freut sich schon. Der Mann genießt das alljährliche Weihnachtsmassaker im Fernsehen, er bringt sich mit Killerhaien, Keilereien und Verfolgungsjagden in Stimmung für das Fest der Feste. Jürgen Heinrich spielt diesen Harvey als Schutzheiligen aller Weihnachtshasser, und er lässt keine Illusionen aufkommen, dass sich hier doch noch das Wunder einer harmonischen Familienfeier ereignen könnte. „Schöne Bescherungen“ hat der britische Dramatiker Alan Ayckbourn sein Stück getauft, das von der Hölle erzählt, die sich in unseren Nächsten bevorzugt in den stillen Nächten auftut.

Ayckbourn liebt Weihnachten, wiederholt hat er es in seinen Texten gefeiert, er hält das Datum für ein Geschenk an die Dramatiker dieser Welt. „Frohe Feste“ hieß die bitterböse Farce, mit der das Renaissance Theater im letzten Jahr reüssierte: Nun ist das komplette Ensemble, ergänzt um drei weitere Schauspieler, wieder zusammengekommen, um mit Regisseurin Tina Engel weiter zu feiern.

Auch in „Schöne Bescherungen“ begegnen sich unterm Baum in gutbürgerlicher Stube (Bühne: Momme Röhrbein) Neurotiker, Chauvinisten, und Exzentriker. Gefeiert wird bei Neville und Belinda Bunker (Markus Gertken und Julia Stemberger), deren Ehe bloß noch ein trauriger Witz ist. Bei Nevilles trunksüchtiger Schwester Phyllis (Katherina Lange), die sich während der Zubereitung des Weihnachtsbratens selbst verstümmelt, und ihrem Mann Bernard (Guntbert Warns), einem Kurpfuscher, der die Familie mit seinem Amateurpuppenspiel terrorisiert, sieht es nicht besser aus. Auch Hausfreund Eddie (David Bennent) und seine dauerschwangere Frau Pattie (Anna Böttcher) führen nicht eben ein liebevolles Leben. Als Amor ex machina wirbelt der Schriftsteller Clive (Thomas Limpinsel) den Reigen durcheinander und führt nicht nur Belindas Schwester Rachel (Ulrike Jackwerth) in Versuchung. „Schöne Bescherungen“ hat nicht das Tempo und den Witz von „Frohe Feste“. Aber Regisseurin Engel holt, zusammen mit einem gut harmonierenden Ensemble, das Höchstmaß an Komik und Hintersinn aus dem Text. Patrick Wildermann

Wieder heute, bis 11.Januar

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