• Ein Film, so schnell wie die Börse selbst, in dem die Regungen direkt am Aktienkurs abzulesen sind

Kultur : Ein Film, so schnell wie die Börse selbst, in dem die Regungen direkt am Aktienkurs abzulesen sind

Kerstin Decker

Das Leben, wir ahnten es längst, ist genau wie die Börse. Irgendwann kommt der große Crash. Nur dass die Börse sich schneller wieder erholt. Das Leben dagegen endet grundsätzlich tödlich, woran man erkennt, dass es noch viel riskanter ist als die Börse. Und viel irrationaler. Jeder kennt den Ausgang und macht trotzdem mit. Kein Mensch würde unter solchen Voraussetzungen an die Börse gehen. Oder ins Kino. Ins Kino gehen wir, weil wir die Schlüsse nicht kennen. Nur bei "High Speed Money" ist das anders, und da liegt das Problem. Am Ende ist die traditionsreichste Privatbank der Welt, Barings, ruiniert und der junge Börsianer Nick Leeson (Ewan McGregor) muss ins Gefängnis. Ja, es ist haargenau die Geschichte, die vor ein paar Jahren durch die Medien ging.

Nun gut, es gibt andere Filme, wo das Ende klar ist. "Mahatma Gandhi" zum Beispiel. Oder Märchenfilme! "Gandhi" aber und die Märchen haben eine sagenhafte Handlung, hier aber steigen und sinken nur die Kurse. James Dearden hat sich vorgenommen, Kino daraus zu machen. Vielleicht hätte er den Aktienindex verfilmen sollen. Weil es hier doch keine Regung gibt, die nicht direkt am Kursanstieg oder -verfall ablesbar wäre. Der Nikkei-Index, ein Barometer der Leidenschaften. Ist er unten, geht Nick Leeson in Singapur auf Toilette und muss sich übergeben. Ist er oben, geht Nick Leeson erst in die Kneipe und hinterher auf Toilette, um sich zu übergeben. Nick Leeson ist der Sohn eines Tapezierers. Ein Aufsteiger. Seine Lebensphilosophie: Immer den Einsatz verdoppeln, dann kommst du automatisch in die Gewinnzone!

Dearden glaubt, ein Börsenfilm müsse mindestens so schnell sein wie die Börse selbst. Rasende Schnitte für rasendes Geld. Und Ewan McGregor als Nick Leeson? Sagen wir es so: Ewan McGregor verkörpert in "High Speed Money" die menschliche Komponente.In sieben Berliner Kinozentren

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