Kultur : "Ein Freund zum Verlieben": Single sucht Single

Daniela Sannwald

Robert ist groß und durchtrainiert und schlau und charmant und schön und witzig - und er ist nicht gebunden. Da er um die Vierzig ist, muss er mit diesen Eigenschaften schwul sein, und so ist es auch. Deshalb kann er mit seiner besten Freundin Abbie über Männer reden, lästern und lachen. Irgendwann wird es dann doch kompliziert, wenn die beiden sich nämlich, sturzbetrunken, einen One-Night-Stand leisten und Abbie daraufhin schwanger wird. Nun muss sie sich überlegen, ob das Dasein einer allein erziehenden Mutter zu ihrem Lebensentwurf passt, und Robert muss darüber nachdenken, ob er vielleicht, wenn schon nicht Ehemann, dann doch Vater sein will.

Man kann sich vorstellen, welche Komplikationen diese Entscheidungen mit sich bringen, und "Ein Freund zum Verlieben" spielt sie alle durch. Bis zu einem Ende, das nicht ganz so bitter ist, wie man es eigentlich erwartet. "Ein Freund zum Verlieben" ist ein gut gemeinter, aber dann doch nicht wirklich engagierter Film, der am Beispiel von Abbie und Robert jene familien- und gesellschaftspolitischen Themen behandelt, die nicht nur in den USA zum Alltag gehören: die Vorteile der Patchwork-Familie im Gegensatz zur traditionellen Kernfamilie, die Rechte homosexueller Eltern und das Single-Leben.

Das klingt ein bisschen trocken, was es auch ist, denn in der zweiten Hälfte des Films wird dieser ganze Themenkomplex mit Ausbrüchen von Wut und Herzschmerz, mit Kidnapping des inzwischen sechsjährigen Sohnes und unter Zuhilfenahme jeder Menge Anwälte abgearbeitet. Die erste Hälfte des Films aber ist so schwungvoll und komisch, so ironisch und elegant, dass man gar nicht genug davon kriegen kann. Madonna und Rupert Everett spielen Abbie und Robert, und man muss einfach anerkennen: Rupert Everett ist unschlagbar, wenn es darum geht, auch und gerade selbstkritische Pointen exakt zu platzieren und das ganze Leben mit ästhetisierender Distanz zu betrachten.

So lange die beiden also einfach aufeinander einschwatzen und dabei die Merkwürdigkeiten des Single-Daseins in Los Angeles kommentieren, ist der Film großartig, eine altmodische Komödie im unübertroffenen Stil der dreißiger Jahre. Das ist durchaus beabsichtigt, denn das Drehbuch zitiert Anzüglichkeiten à la Mae West und lässt Roberts Arbeitgeber - ein dem klassischen Musical verfallenes, altes, schwules Paar - Idealbesetzungen längst vergangener Broadway-Aufführungen diskutieren. "Sie sind in der Depression steckengeblieben", beschreibt Robert diesen Vergangenheitskult, und Abbie kontert "ich auch". Trotzdem hat man das Gefühl, dass ihre sogenannte Depression mit einer ganzen Menge Vergnügen, Freiheit und Unabhängigkeit verbunden ist. Schade, dass beide ihr Single-Leben nicht für uns weiterführen, um es hin und wieder genüsslich und giftig zu sezieren.

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