Kultur : Ein Happy End, vielleicht

Andreas Steinbrück

Eine Szene voller Symbolkraft: Simmi, ein drogenabhängiger Kleinkrimineller, klingelt an der Wohnungstür. Seine Freundin Gunna öffnet ihm nicht, redet aber durch die Tür mit ihm. Er verspricht: "Keine Drogen mehr!" Sie glaubt ihm nicht. Das ist Simmis Problem: Er will rein in ein lebbares Leben, raus aus der Drogenexistenz. Aber die Kamera zeigt sie unbarmherzig abwechselnd: sie drinnen, er draußen vor der Tür.

Das Milieu der isländischen Kleinkriminellen lernte Johann Sigmarsson, Regisseur und Drehbuchautor des Films, aus erster Hand kennen. Wegen Trunkenheit am Steuer saß er 79 Tage im Gefängnis. "Plan B" ist ein nüchterner, trauriger Film. Stilistisch mal videoclipartig, mal fast dokumentarisch, erzählt er, wie Simmi (¿Ottarr Proppé) allen guten Vorsätzen zum Trotz wieder bei seinen Drogenkumpels landet. Die alte Geschichte: seelenlose Drogentrips, dahingestümperte Sexversuche, sinnlose Autofahrten durch eine leere isländische Winterlandschaft. Ein schlechter Film, das Leben.

Die Protagonisten scheinen dazu verdammt, ihre Rollen zu spielen und wirken deshalb auf eigenartige Weise unfrei. "Das sind sie ja auch, denn sie sind drogenabhängig", so Johann Sigmarsson. Der titelgebende "Plan B" tritt in Kraft, nachdem einige von Simmis alten Kumpeln aus dem Knast ausbrechen. Er führt Simmi und drei Mitstreiter nach Amsterdam, ins Rotlichtmilieu - ein Wandel zum Positiven sieht denn doch anders aus. Vielleicht so, wie er sich noch ein bisschen später andeutet: Simmi sitzt in einem Fastfood-Restaurant auf Island. Eine Frau kommt herein, offenbar eine Ex-Freundin. Die beiden kommen sich im Gespräch wieder näher - eine neue Geschichte beginnt. Ein Happy-End, vielleicht. Simmi hat versucht, sein Leben zu ändern. Jetzt ändert es ihn.

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