Ein Happyend mit Folgen : Wie "The Interview" die Kinoindustrie revolutionieren wird

Der verspätete Start von "The Interview" ist ein großer Erfolg für Sony - vor allem im Internet. Die aus der Not geborene Entscheidung, den Film zeitgleich online zu zeigen, dürfte zum Vorbild für die ganze Branche werden.

Mattes Lammert
Der Film "The Interview" kann jetzt online geschaut werden, aber nur in den USA und Kanada.
Der Film "The Interview" kann jetzt online geschaut werden, aber nur in den USA und Kanada.Foto: Screenshot Xbox

Als Sony den ursprünglich geplanten Veröffentlichungstermin für „The Interview“ zunächst absagte, drohte die 44-Millionen-Dollar-Produktion zum Totalverlust zu werden. Nun dürfte der Film dank der weltweiten Aufmerksamkeit doch noch zum finanzieller Erfolg werden. Und damit die Kinoindustrie revolutionieren.

Zu seinem verspäteten Start hat der Film allein am Eröffnungswochende 17 Millionen Dollar eingespielt. Das sind zwar weniger als die ursprünglich erwarteten 20 Million Dollar, wenn der Film wie vorgesehen ins Kino gekommen wäre. Doch ist diese Zahl trotzdem beeindruckend und dürfte weitreichende Folgen für die zukünftige Verwertung von neuen Filmen haben. Denn anstatt der geplanten 2500 Kino war dem „The Interview“ lediglich in 331 vor allem kleineren Kinos zu sehen. So beliefen sich die Einspielergebnisse an den Kinokassen auch lediglich auf 2,8 Millionen Dollar. Der Großteil der Einnahmen wurde hingegen im Internet erzielt, wo der Film über 15 Millionen Dollar einbrachte und über 2 Millionen mal heruntergeladen wurde.

Diese Ausbeute ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Denn „The Interview“ konnte nur in den USA und Kanada online geschaut werden, und auch lediglich über die von Sony eigens eingerichtete Webseite und einige Streamingdienste wie Youtube, Google Play und Microsoft Xbos Videos. Nicht aber über den wohl wichtigsten Anbieter iTunes, der den Film erst seit letzten Montag anbietet. Damit wird deutlich, welchen Erfolg die 15 Millionen Dollar Online-Umsatz wirklich bedeuten. Vor allem, da die Produzenten von diesem Umsatz einen wesentlich größeren Anteil für sich verbuchen können. Hingegen von den Umsätzen bei Kinofilmen meistens nur 50 Prozent an die Produzenten zurückgehen, dürften es bei den Streamingsdiensten 70 Prozent der Einnahmen sein.

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Die Einsicht, dass sich mit neu erschienen Film im Internet gutes Geld verdient lässt, in diesem Fall sogar wesentlich mehr als an den Kinokassen, wird die zukünftige Verwertung der Filmindustrie tiefgreifend verändern. Und auch andere Produzenten dazu ermutigen, ihre Film zeitgleich mit der Kinoveröffentlichung im Internet verfügbar zu machen. Ein Schritt, der dabei vor allem den veränderten Sehgewohnheiten der Zuschauer gerecht werden würde. Vor allem das jüngere Publikum ist es durch die den weltweiten Erfolg der neuen amerikanischen Serien wie „Breaking Bad“ oder „The Wire“ gewöhnt, Filme vor allem online zu konsumieren. So stellen die großen Pay-TV-Sender wie HBO ihre neue Serien für ihre Kunden parallel ins Internet. Der weltweit größte Aboanbieter von Streamingdiensten Netflix hat im letztes Jahr sogar damit begonnen, eigene Serien mit großen Hollywoodstars wie „House of Cards“ mit Kevin Spacey zu produzieren, die zunächst sogar nur online zu sehen sind.

Damit dürften die wohl größten Verlierer des Debakels um die Veröffentlichung von „The Interview“ die großen Kinoketten sein, welche die Absage durch ihren Boykott erst erzwungen haben. Denn angesichts des Erfolgs von „The Interview“ im Internet müssen sie nun um ihre Vormachtstellung fürchten. Und das ungeschrieben Gesetz, das neue Film zunächst im Kino gezeigt werden, gehört wohl der Vergangenheit an.

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