Kultur : Ein Hauch von Afrika

VARIETE

Lena Gr,huber

Der französische Dokumentarfilmer Laurent Chevallier ist vor fünf Jahren durch Guinea gefahren, um einen Film über afrikanische Zirkusse zu drehen. Als er keinen Zirkus fand, gründete er kurzerhand selber einen und dokumentierte sein Kunstprodukt: Circus Baobab . Diese Vorgeschichte bleibt auch spürbar bei der mittlerweile zweiten Produktion „The Jumping Drums“, zu sehen im Tipi im Berliner Tiergarten. Man gewinnt den Eindruck, dass die zweifellos talentierten jungen afrikanischen Künstler in ein zu enges Korsett gezwängt wurden, das ihnen nicht ganz entspricht. Die Handlung: Dorfjugendliche brechen in das urbane Chaos auf, um am Ende wieder in die Heimat zurückzukehren. Afrika, wie der Europäer sich das eben vorstellt. Bunt, laut, ein wenig anarchisch – aber nicht ganz ernstzunehmen. Die akrobatischen Luftnummern wirken auf dem viel zu engen Raum im Tipi-Zelt vor dem Kanzleramt mitunter dilettantisch, die sozialkritischen Clownerien ein wenig zu unschuldig. Der Versuch, europäische Zirkuskunst mit traditionellen afrikanischen Formen zu verbinden, reproduziert ungewollt alte Klischees. Mitreißend wird der Abend, wenn geturnt und getanzt wird; anrührend, wenn Fanta Camara Kompositionen von Momo Wandel Sournah singt, begleitet von Abdoulaye Kouyate an der Gitarre. Dann erst weht ein Hauch von Afrika durchs Zelt. (Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, bis 22. Juni, 20.30 Uhr)

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