Kultur : Ein Hauch Zigeunermusik

KLAVIERKONZERT

Isabel Herzfeld

Mit der Sonate seines Landsmannes George Enescu gab Michael Abramovich seiner Klavier-Matinee im Musikinstrumentenmuseum einen frischen, unkonventionellen Akzent. Der rumänische Komponist und Geigenvirtuose, 1935 nach Paris emigriert, Lehrer Yehudi Menuhins, stützte sich ähnlich wie Bartók auf die Wurzeln der heimischen Volksmusik. Ein Hauch Zigeunermusik war immer dabei. So versetzt auch die D-Dur Sonate klassizistische Figuren à la Scarlatti mit mutwillig hüpfenden Schnörkeln, bürstet sie so rhythmisch gegen den Strich. Doch warum schwingt das nicht richtig, warum kann es seinen Witz über einen etwas diffusen Akademismus hinaus nur selten entfalten? An Abramovichs Technik liegt es nicht. Die ist superpräzise, klar, manchmal knallhart. Prokofjews 8. Sonate, 1939 zur Rückkehr in die stalinistisch beherrschte Heimat geschrieben, bekommt der stählern- korrekte Zugriff am besten. Da prasseln die Akkordkaskaden und türmen sich zu wilden Ausbrüchen zwischen trocken-ironischen Stakkato-Motiven. Prokofjiews harmonische Eigenheiten allerdings, die zarten Dur- Schlüsse nach dissonanten Verwicklungen, nutzt der Pianist kaum für architektonische Zäsuren, so dass alles ein wenig spannungsarm dahinfließt.

Liszts Paraphrase nach Motiven aus Verdis „Aida“ bringt es an den Tag: Die „Danza sacra“, der heilige Tanz der ägyptischen Priester, und das „duetto finale“, der letzte Hauch des eingemauerten Liebespaars, enthalten gewiss keine einzige falsche Note. Jedoch wenig Leidenschaft, Klangrausch, Poesie.

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