Kultur : Ein heißes Jahr

Die Filmförderungsanstalt und die Kinozahlen 2006

Henrik Mortsiefer

Der Sommer 2006 war heiß, und die Fußball-WM versetzte die Bundesbürger in ein Märchenland. Ins Kino mochte in den Monaten Juni und Juli niemand gehen. 2006 war für die deutsche Filmwirtschaft und die Kinobranche trotzdem ein Wendejahr. „Kino ist wieder in“, freut sich Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA).

Die Zahlen lassen diese Schlussfolgerung zu: Knapp 137 Millionen Kinobesucher, ein Umsatz von 814 Millionen Euro, 487 Erstaufführungen – die Branche blickt auf ein Rekordjahr zurück. Das gilt auch für die Eintrittspreise. Eine Kinokarte kostete im Schnitt 5,96 Euro, so viel wie nie. „7,4 Prozent mehr Besucher und ein Umsatzplus von 9,3 Prozent sind ein gutes Ergebnis“, sagte Dinges. Und: Der deutsche Film hatte mit 25,8 Prozent den höchsten Marktanteil seit Beginn der Auswertung im Jahr 1991. Gleich drei deutsche Filme schafften den Sprung in die Top Ten: Tom Tykwers Literaturverfilmung „Das Parfum“ (5,5 Millionen Zuschauer), Sönke Wortmanns WMDoku „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (vier Millionen) und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ (3,5 Millionen).

Jubel mochte am Vortag der Berlinale-Eröffnung dennoch nicht aufkommen. „Die Besucherzahlen liegen immer noch deutlich unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt“, räumte Dinges ein. „Viele Kinos tragen Verluste ab – und viele haben es 2006 nicht geschafft.“ Das klingt nach Krise mitten im Aufschwung.

Es sei immer schwerer, den einen, großen Film für alle Geschmäcker zu produzieren, erklärte der Filmförderer. Selbst Hollywood tue sich inzwischen schwer damit, weltweit erfolgreiche Blockbuster ins Kino zu bringen. Die Stunde der „kleinen, zielgruppenorientierten Produktionen“ habe auch in der US-Traumfabrik geschlagen, sagte Dinges.

Gleichwohl ruhen die Hoffnungen der Kinobetreiber auf Hollywood. „Spider Man 3“, „Harry Potter 5“, „Fluch der Karibik 3“ – die Blockbuster-Sequels sollen es 2007 richten. Auch 2006 zogen sie die meisten Zuschauer an. „Ice Age 2“ sahen 8,7 Millionen Besucher, „Fluch der Karibik 2“ 7,1 Millionen. Auch wenn der deutsche Film erfolgreich wie nie sei, ließen sich die Besucherzahlen ohne ausländische Produktionen nicht steigern, glaubt die FFA. Wenn die Hälfte aller 1823 deutschen Spielstätten einen Jahresumsatz von weniger als 100 000 Euro macht und ein gutes Drittel nicht einmal auf 75 000 Euro kommt, mag man die Hoffnung auf Kassenschlager teilen. Selbst die Multiplexe, die die Hälfte des Gesamtumsatzes machen, müssen kämpfen. Die Masse macht’s nicht immer: Die Großkinos schnitten schlechter ab als der Rest der Branche.

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