Kultur : Ein Herz für Häuser

Der Bund Deutscher Innenarchitekten wird 50

Ulf Meyer

Die freischaffenden Entwerfer in Deutschland sind in Bedrängnis geraten, denn die leibhaftigen Bauherren mit Geschmack und Charakter sterben aus. An ihre Stelle treten vermehrt anonyme Fondsgesellschaften, die nur erahnen können, was die späteren Nutzer ihrer Häuser wollen. Angesichts der Vielzahl geltungsbedürftiger Fachplaner, dubioser Projektsteuerer und unklarer Verantwortlichkeiten am Bau geben viele Architekten ihre eigenen Entwürfe zu frühzeitig aus der Hand. Obwohl sie dann die Qualität ihrer Gebäude nicht mehr kontrollieren können, sträuben sie sich häufig dagegen, dass Innenarchitekten eingeschaltet werden, die die Interieurs entwerfen.

Die Hauptbetätigungsfelder für Innenarchitekten bleiben deshalb die Einrichtung von großen Bürohäusern, Hotels, Restaurants und Boutiquen. Denn obwohl beide Professionen ähnliche Probleme haben, herrschen starke Animositäten zwischen den Berufsgruppen. Aus gutem Grund: Das Wort Innenarchitektur suggeriert, dass es auch „Außenarchitektur“ gibt, obwohl Architektur doch eine Kunst ist, die aus sich selbst heraus gleichzeitig Baukörper, Außenräume und Innenräume schafft. Zwischen „Innen- und Außenarchitektur“ zu unterscheiden und die Verantwortlichkeiten dafür in die Hände unterschiedlicher Entwerfer zu legen, ist also grundsätzlich falsch. Dennoch hat sich der Berufsstand der Innenarchitekten fest etabliert.

Seit genau fünfzig Jahren sind die Innenraum-Entwerfer hierzulande im Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) organisiert, der sein Jubiläum mit einem „Streitgespräch“ im Liebermann-Haus am Brandenburger Tor zelebrierte. Es war mit der Frage überschrieben, ob die Innenarchitekten entmündigte Dienstleister werden. Der Moderator Karl Ganser hatte keine Schwierigkeiten, eine kontroverse Diskussion zu entfachen. Denn angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage der freien Entwerfer ist die Stimmung gereizt: Die Architekten beharren darauf, dass der Baumeister der einzige am Bau sei, der den Entwurf in seiner Gesamtheit überblickt und verantwortet und seine Qualität überwacht. In den Augen mancher Bauherren wirken Architekten dennoch bisweilen arrogant und so inkompetent, dass sie ihren Autoritätsverlust selbst verschuldet haben. Während für Bauherren Architektur oft nur eine Ware ist, stellt sie für den Entwerfer einen kulturellen Beitrag dar. Für den Investoren richtet über den Erfolg einer Immobilie der Kunde, für den Architekten die Kunstgeschichte.

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