Kultur : Ein Herz für Hunde

JÖRG KÖNIGSDORF

Vielleicht werden Kinder tatsächlich lieber mit den familieneigenen Langhaardackeln Gassi gehen, nachdem sie "Kayla" gesehen haben.Vielleicht werden sie sich aber nur frustriert von ihren Waldis, Fiffis etc.abwenden, weil die keine so treuen Schlittenhunde sind und sich kaum über Fußgängertempo beschleunigen lassen.Von solchen rein spekulativen pädagogischen Erwägungen einmal abgesehen, ist "Kayla - Mein Freund aus der Wildnis" eine nostalgisch ausgestattete Version des klassischen Genres: Kind und wildes Tier werden Freunde, eingebettet in die Geschichte vom Zusammenwachsen einer ländlichen Kleinfamilie.

Kanada, anno 1920: Der 12jährige Sam weigert sich, seinen Stiefvater, einen braven Landarzt, zu akzeptieren und sehnt sich nach seinem leiblichen Vater, einem verschollenen Polarforscher.Um in dessen Fußstapfen zu treten, zähmt er sich einen Wolfshund und bildet das Tier zum Schlittenhund aus.Dabei hilft ihm seine Freundin Jaynie, ein patentes Mädel, das Autos reparieren und Schlitten bauen kann.Im Verlauf der mit Hund und Freundin bestandenen Abenteuer lernt Sam, sich von seinen Illusionen zu verabschieden und seine Familie zu akzeptieren.

Der Regisseur Nicholas Kendall erzählt die zielgerichtete Geschichte ohne Kitsch und Brutalität, weder überfrachtet er Sams Eingewöhnungsschwierigkeiten zum Familiendrama noch muß er dämonisch lachende Wilderer-Popanze hervorzaubern, um Spannung zu schaffen.Richtig böse ist hier keiner, Konflikte entstehen allein dadurch, daß Verletzlichkeiten und unbewältigte Probleme aufeinanderstoßen.Auch Sam bleibt ein ganz normales Kind, das zwar seine lieben Seiten hat, aber auch ziemlich eifersüchtig und egoistisch sein kann.Der moralische Zeigefinger ist hier zum Glück in einem dicken Winterhandschuh versteckt - die meisten Kinder werden ihn ohnehin schon oft genug gesehen haben.

In Berlin in den Kinos Broadway, City Wedding, FT Friedrichshain und im Titania Palast

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