Kultur : Ein karibischer Wohlfühlfilm für den Nachwinter

Carla Rhode

Solche Geschichten gibt es doch wie Sand am Meer. Nicht nur im Kino, auch im Fernsehen (Serien!) und erst recht in Frauenzeitschriften. Gestresste Karrierefrau (Angela Bassett) auf der Suche nach einem Lover: Der Urlaubstrip nach Jamaica, von der besten Freundin heftig befürwortet, erweist sich als Volltreffer. Entspannung, versüßt mit einem kleinen Flirt, wäre jetzt genau das Richtige.

Im ersten Drittel macht der Film (Regie: Kevin Rodney Sullivan) kein Hehl daraus, in wohin die Reise geht. Traumhaftes Hotel, Frühstück auf der Terrasse mit Blick über die Montego Bay, und schon steht der Traummann vor Stellas Tisch: attraktiv und sportlich und sehr, sehr interessiert. Nur: Winston (Taye Diggs) ist erst zwanzig, zu jung für die schöne Vierzigjährige. Zu jung? Für ihn scheint das kein Problem zu sein, für Stellas Freundin Delilah (Whoopie Goldberg) auch nicht. Dabei lauern die üblichen Vorurteile schon überall. Und doch, aus dem Urlaubsflirt wird Liebe. Und eine ordentliche Krise gibt es auch. Aber können wir sie den beiden glauben - der top gestylten Angela Bassett, und dem Studenten Winston, der wie edelsten Herrenmagazinen entsprungen scheint?

Angeblich beruht die Romanvorlage von Terry McMillan ("Warten auf Mr. Right") auf authentischen Erlebnissen. Im Film erscheinen sie aber arg geglättet und trotz einiger Momente erstaunlicher Ehrlichkeit auf Trivial-Niveau. Bleiben die beiden Schauspielerinnen. Whoopie Goldberg erweist sich, eine reichlich nervende Quasselstrippe, als glatter Ausfall - und so nimmt man es durchaus gefasst hin, dass ihre Filmfigur schon bald vom Krebstod hinweggerafft wird. Angela Bassett allerdings überzeugt: ein ruhender Pol, selbstbewusst, ausgeglichen und einfach schön anzusehen. Einen ganzen Film aber trägt das leider nicht.Filmbühne Wien, Treptower Park, Zoo Palast

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