Kultur : Ein Kessel Bundes: Berlins Kultursenator Stölzl auf einem steinigen Weg

Frederik Hanssen

So also funktioniert die echte, große Bundeskulturpolitik: Erst lässt man die versammelte Hauptstadt-Journaille 45 Minuten warten, dann wird die vorteilhafteste Position auf der Freitreppe erklommen, damit man beim Beantworten der Fragen den Blick gnädig nach unten senken kann.

Elke Leonhardt ist Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag. Und man merkt, wer hier die Chefin ist, wenn sie im signalgelben Kostüm neben dem pastellfarben gewandeten Berliner Kultursenator steht. Denn die SPD-Frau und ihre Abgeordneten-Kollegen sind diejenigen, die den Daumen heben oder senken, wenn Staatsminister Michael Naumann seine Vorschläge zur Verteilung der Hauptstadt-Millionen unterbreitet. Für den Vertreter des Zuwendungsempfängers Berlin ist der Ausschuss die Höhle des Löwen. Dass Christoph Stölzl nach seinem Antrittsbesuch gemeinsam mit Elke Leonhardt vor die Presse tritt, ist ein gutes Zeichen. Natürlich achtet sie darauf, dass er in den Fragerunden nicht zu viele Wort verliert. Die innere Uhr von Bundestagsabgeordneten reagiert auf Redezeit-Überschreitungen äußerst sensibel.

Er habe manches Vorurteil gegenüber der Berliner Kulturpolitik ausgeräumt, erklärt der Senator strahlend. Das hat nur eine Dreiviertelstunde länger gedauert, als in der Tagesordnung vorgesehen. Keine schlechte Leistung. Denn die nichtöffentliche Sitzung war von "knallharten Auseinandersetzungen" geprägt, wie Frau Leonhardt verrät. Am Ende aber sei man doch zu einer "Versachlichung" der Diskussion gekommen. Und Stölzl fügt hinzu: "Für mich war es wichtig, die Ausschussmitglieder kennenzulernen. Damit wir nicht immer nur in der Zeitung übereinander lesen". Wie schön.

Es scheint, als sei - im Rahmen des Möglichen in der echten, großen Bundeskulturpolitik - tatsächlich der Durchbruch gelungen. Zeitnah solle jetzt ein Vertrag ausgehandelt werden, der für mindestens 50 Jahre halte. "Für immer", lächelt Stölzl. Allerdings konkurrieren noch zwei Listen: Die mit den sieben Institutionen, die Naumann vollständig übernehmen will, und eine von Christoph Stölzl, auf der - so lässt er durchscheinen - auch die Deutsche Oper, die Staatsoper und das Deutsche Theater zu finden sind, über deren Ko-Finanzierung man "ganz pragmatisch" mit dem Bund reden könne.

"Nicht das Beste muss auch automatisch das Hauptstädtische sein", kontert Stölzl die Frage nach der künftigen Rechtsform der Philharmoniker. Jetzt müssen juristisch nachprüfbare Kriterien her für das, was die ganze Republik braucht. Wenn die gefunden sind, sollen alle betroffenen Institutionen im Ausschuss angehört werden. Danach könne man austesten, ob mit den Förderalisten in der Kulturlobby die Diskussion über ein "Zwischenfinanzierungmodell" möglich ist, das Berlin übergangsweise mehr als die unstrittigen 100 Millionen Mark garantiert. "Wir wollen eine Kooperation von Egoisten", sagt Frau Leonhardt. Damit Berlin wieder leuchtet. Mindestens so hell wie ihr Kostüm.

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