Kultur : Ein Klassiker

Grant McLennan, Sänger der Go-Betweens, ist tot

Christian Schröder

Seine Jugend hat Grant McLennan in einem Song beschrieben, der „Cattle & Cane“ heißt: Rinder und Zuckerrohr. Die Provinz Queensland, in der er 1962 geboren wurde, ist das Zentrum der australischen Landwirtschaft. Als Kind lief er auf dem Schulweg an Zuckerrohrfeldern und Wiesen voller grasender Rinder vorbei, er ging fort, um zu studieren, und kam doch immer wieder zurück. „The railroad takes him home / Through fields of cattle / Through fields of cane.“ Vor kurzem ist „Cattle & Cane“, das McLennan mit seiner Band The Go-Betweens aufnahm, zu einem der „zehn größten australischen Songs aller Zeiten“ gewählt worden. Auf einen weltweiten Nr.1-Hit hat der Sänger und Gitarrist vergeblich gehofft. Was ihm stattdessen gelang: ein Klassiker. Am Samstag ist er, überraschend und viel zu jung, in Brisbane gestorben.

Die Go-Betweens verkörperten in den achtziger Jahren so etwas wie einen Gegenentwurf zum Weltschmerzpop von Independent-Gruppen wie Joy Division oder den Smiths. Ihre Texte mochten ähnlich harsch von der Liebe und dem Älterwerden erzählen, doch ihre Musik klang dabei fast immer mitreißend fröhlich. Grant McLennan und Robert Forster hatten die Band in Brisbane gegründet, wo sie sich als Literaturstudenten kennen gelernt und gemeinsame Vorlieben entdeckt hatten: nicht nur für W. H. Auden und Dostojewski, sondern auch für Bob Dylan und Velvet Underground. Ihre erste Single widmeten sie der Schauspielerin Lee Remick, Anfang der achtziger Jahre zogen sie nach London. Sie veröffentlichten in rascher Folge sieben Alben, die zu den besten Gitarrenpop-Platten der Dekade zählen. Kritiker feierten Forster/McLennan bereits als Reinkarnation von Lennon/McCartney, doch als auch mit der LP „16 Lovers Lane“ der kommerzielle Durchbruch ausblieb, ging das Duo 1988 auseinander. Zur Jahrtausendwende, Gitarrenmusik war wieder gefragt, kam es zur Reunion. Vor einem Jahr präsentierten die Go-Betweens bei einer Europa-Tour ihr Album „Ocean’s Apart“. Die Hallen waren ausverkauft, McLennan war voller Optimismus: „Wunderbar, die Leute wollen wieder Songs hören.“

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