Kultur : "Ein Königreich für ein Lama": Willkommen in Kuscotopia

Sibylle Salewski

Jung und selbstverliebt wirbelt er durch die Gänge seines Palasts und vergisst nur allzu gern die Amtsgeschäfte. König Kusco, Herrscher über ein Bergreich in den Anden, hat den Palast zur Bühne seiner Eitelkeiten gemacht. Seine Leidenschaft ist der Groove, und so tanzt er - cool, unbesorgt und einsam - durch die weitläufigen Gemächer. Wer ihm den Beat verpatzt, wird kurzerhand hinausgeworfen.

Das neueste Lieblingsprojekt des Herrschers: Kuscotopia, Swimmingpool und Sommerresidenz. Dass dafür das Dorf des gutmütigen Bergbauern Patcha weichen muss, tut nichts zur Sache. Leichtherzig weist Kusco dessen Bittgesuch ab. Das kann natürlich alles nicht gut gehen. Isma, Kuscos alternde und frustrierte Beraterin, will den Herrscher vergiften und selbst den Thron besteigen. Statt ihn zu töten, verwandelt sie Kusco aber versehentlich in ein Lama. Ihr Gehilfe Kronk wirft ihn vor die Tore der Stadt. Allein im Dschungel vergeht Kusco vor Selbstmitleid.

"Ein Königreich für ein Lama" ist ein Disneyfilm. Und so ist von Anfang an klar: Der König wird ein wenig leiden und viel lernen, wird am Ende dieses Initiationsrituals als guter Herrscher auf den Thron zurückkehren und Freunde gefunden haben. Doch auf diese Geschichte kommt es gar nicht so an. Das ist das Schöne, für Disney-Produktionen mittlerweile so Untypische. Ein leichtes, amüsantes Slapstick-Geflecht durchzieht den ganzen Film und verleiht ihm seinen Charme: Die hysterischen Anfälle Ismas, die hoffnungslose Ungeschicklichkeit ihres Gehilfen Kronk, Patchas sture Gelassenheit und Kuscos permanenter Sarkasmus beherrschen die Atmosphäre. Am Ende wird Kusco bekehrt. Alles wird gut, das Böse vernichtet, es bleiben die Freunde. Aber Kusco darf seine heiter-distanzierende Maske behalten, tut am Schluss das Richtige mit gelassenem Augenzwinkern, ohne sich büßend im Staub zu wälzen.

"Ein Königreich für ein Lama" ist kein großer Film, auch kein großartiger. Aber das will er auch nicht sein. Er ist leicht, einfach gezeichnet - ein gelungener Cartoon: unterhaltsam, angenehm unsentimental, durchtränkt von eleganter Selbstironie. Vielleicht fast ein wenig zu selbstreflexiv - aber bei einem Disneyfilm kann das nicht wirklich verkehrt sein.

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