Kultur : Ein koreanischer Traum - grün und melancholisch

Daniela Sannwald

Im bleigrauen Sommermorgenlicht rudert John Doyle sein Boot über den See. Es ist das einzige Boot weit und breit, denn die Süßwasserfischerei ist ein aussterbendes Gewerbe. Dieser Sommer, in den fünfziger Jahren, ist der letzte, in dem John noch fischt und der letzte, in dem ihm sein Sohn Eamon hilft. Eamon ist mit der Schule fertig - nach diesem Sommer wird sich alles ändern. Während der Vater sich gegen jede Veränderung sträubt, ist Eamon gerade dabei, nicht nur einen neuen Blick auf sein Dorf, sondern auf die ganze Welt zu gewinnen.

Cathal Black zeigt die riesige Wasserfläche des Sees zwischen den grünen irischen Hügeln: ein Hauptmotiv für Kontinuität. Für John Doyle ist der See ein sicheres Terrain. Für den Jungen symbolisiert er die Unveränderbarkeit des Schicksals - immer wieder kommen die sich in engen Reusen windenden Fische ins Bild. Im Haus der Doyles herrscht ständige Dämmerung, nur das batteriebetriebene Radio garantiert den Anschluss an die Welt. Gleichzeitig wird die Ankunft der Elektrizität im Dorf mit einem Volksfest gefeiert. Dann gibt es einen Trauerfall: Einer der Söhne von John Doyles Erzfeind Moran ist als G.I. in Korea gefallen. Auch die anderen Morans sind der US-Army beigetreten. Und dann sieht sich John plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass auch Eamon auswandern könnte...

"Korea" heißt der Film im Original, wie die Kurzgeschichte des irischen Schriftstellers John McGahern, auf der das Drehbuch basiert. Und das ist ein sehr viel besserer Titel für diesen grünen, verregneten, melancholischen, wortkargen, sehr irischen Film, in dem es nicht um das geht, was tatsächlich da ist, sondern um Träume, um den Verlust des Vertrauten, um Ferne und Fremdheit: Korea eben.Im Kino Balazs

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