Kultur : Ein Leben und Werk im Einklang

Christiane Tietz’ Bonhoeffer-Biografie.

Ulrich Schlie

Dietrich Bonhoeffers Lebensweg endete in den Morgenstunden des 9. April 1945 am Galgen im Konzentrationslager Flossenbürg. Er war eine der entschlossensten Kräfte des Widerstands gegen Hitler, und er zählt heute zu den einflussreichsten deutschen Theologen. Bereits 1946 hatte Bonhoeffers Freund und späterer Biograf Eberhard Bethge zum ersten Todestag Gedichte aus der Haft veröffentlicht. Die eigentliche Bonhoeffer-Rezeption setzte indes später ein und ist heute auf eine ansehnliche Literatur angewachsen. Christiane Tietz hat jetzt in einem schmalen Band Leben und Werk ebenso dicht wie flüssig formuliert. Überzeugend ordnet Tietz Bonhoeffers theologisches Wirken in den größeren Zusammenhang ein und zeichnet kenntnisreich die Stationen seines Leben nach, in dessen Zentrum immer auch die Auseinandersetzung mit Christsein heute steht, und in dessen Werk Fragen der Ethik einen herausragenden Platz haben. Es mag dem zur Kürze zwingenden Format der Beck’schen Reihe geschuldet sein, dass ausgerechnet Bonhoeffers Weg in den Widerstand, die Frage des Tyrannenmords und seine Rolle bei der Anbahnung von Auslandskontakten für den Widerstand unterbelichtet bleiben. Der Titel „Theologe im Widerstand“ bringt diese Schieflage unfreiwillig zum Ausdruck: Gewiss, Bonhoeffer war Theologe, und er war im Widerstand, aber zuallererst handelte er, weil er als Christ seinem Gewissen folgte und gegen den Unrechtsstaat aufbegehrte.

Bereits 1938 war Bonhoeffer über seinen Schwager Hans von Dohnanyi mit Staatsstreichplanungen der Opposition gegen Hitler in Verbindung gekommen. Der Widerstandsgruppe um Dohnanyi und Oster verdankte er auch 1940 seine u.k.-Stellung und Kriegsdienstverpflichtung beim Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht. Diese Tätigkeit diente ihm als Paravent, um für ein „anderes Deutschland“ Kontakte zum Kriegsgegner herzustellen. Im April 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet, als der Oster-Dohnanyi-Kreis der Abwehr wegen Devisenschiebereien der Münchner Abwehr ins Visier der Gestapo geriet. Das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Tegel, dann das Hausgefängnis der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße waren die nächsten Stationen. Die in „Widerstand und Ergebung“ posthum zusammengefassten Schriften aus dieser Zeit legen beredtes Zeugnis davon ab, wie Bonhoeffer in der Haft seine theologischen Schriften fortsetzte, und auch die „Brautbriefe aus Zelle 92“ an die gerade 18-jährige Verlobte Maria von Wedemeyer sind in ihrem warmen Ton zärtlicher Fürsorge ein ergreifendes Dokument klassischer Briefliteratur. Leben und Werk sind bei Bonhoeffer im Einklang. Ulrich Schlie









– Christiane Tietz:

Dietrich Bonhoeffer. Theologe im Widerstand. Beck Wissen, München 2013. 144 Seiten, 8,95 Euro.

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