Kultur : Ein Lexikon der Selbstmörder

Aygül Cizmecioglu

"Keinem fehlt je ein guter Grund, sich zu töten", schrieb der italienische Schriftsteller Cesare Pavese. Anschließend zog er seine Schuhe aus, legte sie sorgfältig neben sein Bett und nahm eine Überdosis Schlaftabletten - genau wie in einem Roman, den er ein Jahr zuvor beendet hatte. Die genauen Gründe für seinen Entschluss, aus dem Leben zu gehen, wird man in dem "Lexikon der prominenten Selbstmörder" nicht finden. Genauso wenig die Details, die voyeuristische Herzen höher schlagen ließen - keine genauen Leichenbeschreibungen, keine Angaben über geflossenes Blut oder andere Geschmacklosigkeiten. Dafür probieren die drei Autoren ihre pseudo-psychologische Deutungskunst an den Selbstmördern aus. Die Bandbreite reicht von englischen Diven bis zu deutschen Diktatoren. Man erfährt, warum der griechische Philosoph Seneca nach einem Schierlingstrank noch ein Dampfbad nahm und die mexikanische Schauspielerin Lupe Velez nicht an ihren 75 eingenommenen Seconaltabletten starb, sondern in der Kloschüssel ertrank. Nach dem Hetzmarsch durch das Leben von unzähligen berühmten wie unbekannten Menschen, wird noch ein ABC des Suizids geliefert. 99 Selbstmordsongs werden ebenso aufgezählt wie die populärsten Orte des Ablebens oder letzte Worte der Verstorbenen. "Social Suicide" will man am Ende mit Stephen Barry singen, wenn man die Seichtigkeit sieht, mit der hier ein schwieriges Feld beackert wird.Grote/Völkel/Weyershausen: Das Lexikon der prominenten Selbstmörder. Imprint Verlag, Berlin 2000. 345 Seiten, 29,80 DM.

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