Kultur : Ein Luder, wie es im Buche steht

Don Roos, 1955 in New York geboren, fing als Drehbuchautor fürs Fernsehen an und wechselte 1992 mit dem Skript für den Michelle Pfeiffer-Film "Love Field" ins Kinofach. Weitere Drehbücher von ihm sind "Weiblich, ledig, jung sucht" (1992) und "Diabolisch" (1996). Bei "The Opposite of Sex" führte er erstmals Regie. Mit Don Roos sprach Julian Hanich.Mr. Roos, Sex ist spannend, nicht wahr? Sex ist eine komplizierte Sache, nicht so einfach ins Leben zu integrieren. Es ist eine bizarre Betätigung verglichen mit dem, was wir bei Tageslicht tun. Daß Hunde Sex haben, verwundert mich nicht. Es ähnelt dem, was sie sonst tun: Sie rennen nackt herum, und wenn es sie juckt, kratzen sie sich. Aber wenn man sich Menschen anschaut, die diskutieren oder Auto fahren . . . Der Film handelt davon, daß Sex Konsequenzen hat; daß es etwas ausmacht, mit wem man schläft. Daneben geht es auch darum, die Political-Correctness auf den Arm zu nehmen? Die Menschen sind anders, als es die PC-Welt gerne hätte. Wir haben alle Vorurteile. Und in einer Welt ohne Vorurteile möchte ich nicht leben. Das wäre vollkommen langweilig: Du gehst auf eine Party und mußt dich mit jedem unterhalten! Ich möchte selbst entscheiden, ob es Spaß macht, sich mit jemandem zu unterhalten. Wir sollten ehrlich über unsere Vorurteile sein. Was bleibt von der PC-Bewegung? Ein Vorzug ist, daß man nachdenken muß, bevor man jemanden unbeabsichtigt verletzt. Andererseits ist PC sehr langweilig, heuchlerisch. Die Political-Correctness-Bewegung ebnet alle Unterschiede ein. Ungewöhnlich an Ihrem Film sind die Off-Kommentare der Protagonistin, die das Geschehen vorwegnehmen, zurückspringen oder sarkastisch kommentieren. Es geht im Grunde darum, wie man eine Geschichte mündlich erzählt. Man sagt doch auch: "Ach Gott, das hätte ich vorher erwähnen sollen." Außerdem wollte ich nicht, daß das Publikum sicher vor Dedee ist. Sie sollte das Publikum attackieren, so daß es sich genauso wenig in Sicherheit vor ihr weiß wie die Figuren im Film. Nach fünf Drehbüchern führen Sie erstmals Regie. Warum? Ich war enttäuscht davon, was die Regisseure aus einigen meiner Drehbücher gemacht hatten. Da dachte ich mir, eines Tages führst du selbst Regie. Aber ich wußte überhaupt nicht, was ich tat, als ich den Film drehte. Meine Vorstellungen von Regieführen waren, alle Schauspieler in einem großen Kreis zu versammeln, die Lichter anzumachen, ihre Sätze sagen zu lassen und es zu filmen. Sie haben Erfahrung mit Studiofilmen und Independent-Produktionen. Was sind die Unterschiede? Einen Independent-Film machst du für deine Freunde, einen Studiofilm für deine Eltern. Studiofilme müssen höflicher, mehr Mittelklasse und konservativer sein. Ein Independent kann persönlicher und radikaler sein. Andererseits mag ich diese dreckigen, verbissenen Independents nicht. Deshalb haben wir den Film etwas glamouröser als gewöhnlich gemacht. Christina Ricci ist teilweise sehr glamourös. Sie sieht aus wie Marilyn Monroe - zumindest vom Hals aufwärts (lacht). Independent-Aussehen vom Hals abwärts - Studio-Look darüber.

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