Kultur : Ein männlicher Held, der sich seine Integrität und Individualität bewahrt

Christiane Peitz

Die National Football League hat Oliver Stones Film boykottiert: kein Training, kein Sponsoring, nichts. Kein Wunder, meint der Regisseur in Berlin, schließlich handelt "Any Given Sunday" von der Korruption und den beinharten Geschäften hinter den Kulissen. Von den guten, alten Zeiten, in denen American Football noch "ein Ritual" war. Indianisch, wie Oliver Stone sagt, "primitiv und arachaisch wie bei den römischen Gladiatoren", "voller Spiritualität". Und von der neuen Zeit, in der die Fernsehanstalten die Spieler einkaufen. Nicht die Qualität zählt, sondern das Image. Wir wollen Stars; Teamgeist, nein danke.

Gleich zu Beginn der Pressekonferenz stellt Stone klar, worum es ihm ging: um einen männlichen Helden - wie immer -, der zwischen all den Deals integer bleibt und sich seine Individualität bewahrt. Also wieder ein Kriegsfilm. Nur dass der Krieg diesmal im Stadion stattfindet. Auf dem Podium nun sitzen sie einträchtig nebeneinander: Oliver Stone und Darsteller Jamie Foxx - als Protagonisten jener alten und neuen Ära des Showbiz. Stone deutet und analysiert - so wie früher, als das Kino noch politisch war. Und Jamie Foxx rappt. Schwer zu verstehen, was er sagt. Macht nichts; im Sound steckt die Botschaft. Auf die Frage nach der Filmmusik führt Stone geduldig aus, wie der Soundtrack zustande kam. Jamie Foxx singt lieber die beiden Songs, die er im Film zum Besten gibt. So ist das mit der Zeitenwende. Den Aufklärer macht der heutige Werteverfall unsicher. Die Youngsters pfeifen auf Tradition und Moral und machen sich ihren eigenen Reim darauf, einen Reim, der gut klingt und sofort sein Publikum findet. Jamie Foxx - in Stones Football-Team die Nummer 13, der Einzelgänger, der erst nicht zum Teamgeist findet - ist auch im wirklichen Leben ein Fernsehstar, Entertainer und Serienheld. Er weiß genau, wen er da spielt, ob im Film oder vor der Pressemeute.

Noch Fragen? Ob er so einen Film nicht auch mal über Fußball drehen könnte, möchte die europäische Journaille gern wissen. Fußball, meint Stone, dauert: Bis so eine Mannschaft mit dem Ball über das Spielfeld gelaufen sei, habe sich das Publikum längst gelangweilt abgewendet. Er hingegen wolle Action, eben Football, das Gewühl ineinander verkeilter Körper. Womit wir wieder bei Stones Obsession sind, dem Krieg und der Gefahr. Wer ein Footballmatch so realistisch wie möglich aufnehmen möchte, setzt seine Schauspieler einem unvermeidlichen Risiko aus. Ohne Verletzung ging es auch diesmal nicht ab.

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