Kultur : Ein Mann, ein Fels

Neil Young wirbt für „CSNY“ – und lobt Bush

Andreas Conrad

Was an George W. Bush falsch sei? Nein, die Frage will Neil Young nicht beantworten, nicht hier in der Pressekonferenz zu seinem Film „CSNY – Déjà Vu“, das dauere zu lange. Was er am US-Präsidenten gut findet, sagt er gerne, schon weil es viel kürzer sei: „Ich denke, er ist physisch okay – ein gutes Beispiel, dass Männer seines Alters in guter körperlicher Verfassung sein können.“ Bei dem Woodstock-Veteranen wird selbst ein Lob der Fitness politisch.

Auch am zweiten Tag also ein Musikfilm, der aber, anders als Scorseses „Shine a Light“, nicht dem puren Vergnügen des Rock ’n’ Roll huldigt, sondern ihn als Mittel beschreibt, in die Wirklichkeit einzugreifen, Stellung zu beziehen wie Neil Young in der auf den Irakkrieg reagierenden Platte „Living With War“ und der darauf aufbauenden Tournee von Crosby, Stills, Nash & Young im Jahr 2006. Obwohl sich Neil Young keine Illusionen macht, was er damit bewirken könnte. „Ich denke, die Zeit, als Songs die Welt verändern konnten, ist vorbei.“

Abweisend, wie in Stein gehauen, sitzt er auf dem Podium, Hauptdarsteller und Regisseur (unter dem Pseudonym Bernard Shakey) in einer Person, mit sparsamster Mimik, die Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt, mit Pullover, dickem Jackett und Schal, als friere er. Auswirkungen der Konzerttour auf das Verhalten der US-Wähler? „Das glaube ich nicht.“ Das einzige Ziel, das er hatte: „Eine Debatte auslösen“, nicht mit „cleveren Bemerkungen“, sondern „allein mit den Songs“, darum hätten sich alle in der Band bemüht. Nicht immer konfliktfrei. Es sei vielleicht idealistisch gedacht, aber jeder Mensch müsse eine Entscheidung treffen, was er in seinem Leben tun wolle. Mit der Tour wie jetzt mit dem Film wolle er ein Statement abgeben, um dem Publikum die Gelegenheit zum Nachdenken zu geben. In diesem Fall über den Krieg im Irak, den er nicht anders sieht als den Ersten und Zweiten Weltkrieg oder Vietnam: „Es sind alles dieselben Kriege“, in denen Neil Young nur Varianten sieht für „die falsche Art, Probleme zu lösen.“

Die teilweise heftige Kritik an seiner Platte und der Tournee habe er in den Film bewusst aufgenommen, „sonst hätte es doch nur wie eine Pose von vier alten Hippies gewirkt, die tun, was ihnen Spaß macht.“ Enttäuscht haben ihn diese Reaktionen nicht. „Enttäuschend wäre es gewesen, wenn wir die Leute gleichgültig gelassen hätten. Alles andere war ein Erfolg.“ Andreas Conrad

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