Kultur : Ein Mann wie Wotan

UWE FRIEDRICH

Das Volk der Israeliten ist nicht zu beneiden.Zwar hat ihr Anführer Moses, gesungen von Michael Volle, vokales Wotan-Format, aber er ist ein rechter Langweiler.Gerade aus Ägypten geflohen, setzt er erstmal zum langwierigen Vortrag an.Posaunen, Harfen und Orgel unterstützen ihn nach Kräften, aber auch wenn mit großem Aufwand "Urgestein zur Riesenburg getürmt" und "dem Trotz wohl trutziger noch getrotzt" wird, selbst wenn "die Leuchte uns ewig schon erlosch", gelingt es Max Bruch nicht, Interesse für den Einzug in das Gelobte Land zu wecken.Als Bruch die Szene betrat, hatte Händel bereits alle interessanten Bibelstoffe vertont, die restlichen nahm Mendelssohn.Also blieb ihm keine Wahl, Bruch mußte die Fortsetzung zu Händels "Israel in Egypt" schreiben.Anders als Händel kümmerte er sich jedoch nicht um einen dramatischen Kern, der die Handlung vorantreiben könnte.Kein Konflikt zwischen Moses und Aaron, zwischen Moses und dem Volk.Stattdessen hält Moses ausgedehnte Vorträge über Gott und die Welt, unterbrochen nur vom Engel des Herrn und Lobgesängen des Chores.Selbst zum Tanz um das goldene Kalb fällt Bruch wenig ein.Die biederen Taktwechsel des "Rheinländer"-Tanzes müssen orgiastische Verzückungen symbolisieren und reichen doch nur zum Kirmestanz.Gegen derlei Ausschweifungen könnte selbst der Papst nichts einwenden.Dementsprechend ist auch Moses bald wieder versöhnt und stirbt, nach einer langen Abschiedsszene.Statt die Qualitäten des Werks durch kluge Phrasierung und durchhörbaren Klang zur Geltung zu bringen, setzte Dirigent Claus Peter Flor mit dem diszipliniert und klangschön spielenden DSO auf Orgelgedröhn, Posaunengeschmetter und Streicherkaskaden.In diesen Klangwogen nahm Roland Wagenführer die exponierte Höhe des Aaron eher sportlich, während Brigitte Hahn immer wieder wunderschöne Phrasen als Engel gelangen.

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