Kultur : Ein Mineralwasser mit der Sängerin Popette Betancor

CHRISTIAN SCHRÖDER

TAGESSPIEGEL: Keine Sangria? Oder wenigstens einen Rioja?

BETANCOR: Ach nee.Sangria macht doch nur Kopfschmerzen.

TAGESSPIEGEL: Haben Sie generell etwas gegen Alkohol?

BETANCOR: Nein.Aber Rotwein zum Beispiel kann ich nur trinken, wenn er wirklich gut ist.Rioja ist okay.Sonst verlege ich mich gerne auf Bier.Das ist am unkompliziertesten.Man kann nicht viel falsch machen in einer, sagen wir mal Gaststätte.

TAGESSPIEGEL: Es kommt aber sehr darauf an, wo man gerade ist ...

BETANCOR: Berlin ist schwierig.Deshalb halten sich die Berliner ja auch so gerne an ihrem Flaschenbier fest.

TAGESSPIEGEL: Der Refrain Ihrer Tiergarten-Hymne lautet: "Wurst und Bier und im Schatten mit dir." Ist das Ihr Traum vom Glück in Berlin?

BETANCOR: Das Lied geht zurück auf ein Erlebnis bei einem Open Air-Konzert auf dem Dachgarten der Schwangeren Auster.Aber man kann natürlich nicht von allem, was ich singe, auf mich schließen.Das wäre ja verheerend.Wie groß der Anteil des Biers am Glück ist, hängt von den Beteiligten ab.

TAGESSPIEGEL: Nach Sangria und Rioja haben wir gefragt, weil Sie spanische Wurzeln haben.Kommt daher eine gewisse Leidenschaftlichkeit?

BETANCOR: Vielleicht.Ich glaube, daß ich meine Musikalität tatsächlich von meinem Vater habe.Der ist nicht bloß Spanier, sondern auch Insulaner.Er kommt aus Gran Canaria.Mein Großvater war Fischer in Las Palmas und Analphabet und hatte tatsächlich nur ein Bein, Raucherbein.Was ich von ihnen geerbt habe, ist die Leidenschaftlichkeit, aber auch das Leichte, dieses "Naja, es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird." Das verbindet sich wunderbar mit der Ruhrgebietsmentalität, die ich ja mit der Muttermilch aufgesogen habe.Dort sagt man auch: "Laß mal, mach mal halblang."

TAGESSPIEGEL: In Ihrer Musik treffen sich Swing, Schlager, Tango und Bossa Nova.Ist das die Weltmusik einer Kosmopolitin?

BETANCOR: Bei meiner Musik kommen ganz viele Einflüsse zusammen.Jazz habe ich sehr verinnerlicht, diese ganze Harmonik.Aber auch der Pop der neunziger Jahre ist für mich sehr wichtig: das Coming Out der deutschsprachigen Musik, der deutsche HipHop.Da gibt es unglaublich viel Schund, aber auch ein paar gute Leute, die die deutsche Sprache regelrecht zum Swingen bringen.HipHop ist ja eigentlich Swing, der synkopierte Rhythmus ist der gleiche, nur die Beats werden verstärkt.Dieses Swingbeatmäßige versuche ich in meine Musik hineinzuholen.

TAGESSPIEGEL: Mit Ihrem neuen Programm widmen Sie sich einem bislang verschämt verschwiegenen Phänomen: dem Damenbart.Sind Damen mit Bart die besseren Männer?

BETANCOR: Auf keinen Fall.Damenbärte sind tatsächlich das letzte Tabu.Ich habe festgestellt, daß das so ein heikles Thema ist, daß ich mich schon verflucht habe, es auf meine Fahne geschrieben zu haben.

TAGESSPIEGEL: Und warum haben Sie es trotzdem getan?

BETANCOR: Erstmal finde ich, daß Damenbart ein supergutes, lustiges Wort ist.Allein das Wort Damen gibt es ja gar nicht mehr in den Neunzigern, es ist nicht mehr existent.Heute gibt es nur noch Girlies, Frauen und Diven.Die Idee zu dem Programm kam, als ich Fernsehen gemacht habe, ein Frauenkabarettprogramm, in dem ich mich ziemlich unwohl gefühlt habe.Erstens habe ich in der Zeit, dort im Fernsehlicht, gemerkt, daß ich selber unter Damenbart leide.Und zweitens habe ich mir bei zwei Nummern einfach so aus Scheiß einen Schnäuzer angeklebt, was sehr witzig war.Aber natürlich werde ich kein Travestieprogramm machen.

TAGESSPIEGEL: Haben Ihre Witze einen Vollbart oder bloß einen Dreitagebart?

BETANCOR: Ich erzähle keine Witze, das liegt mir nicht.Ich liebe den pointenfreien Raum.Ich mag Geschichten ohne Pointe, bei denen das Publikum trotzdem lacht.

Popette Betancor tritt mit ihrem Programm "Damenbart" von Sonnabend bis zum 7.April, außer am 29.März, in der Bar jeder Vernunft auf, 20.30 Uhr

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