Kultur : Ein Netz zwischen 53 Ländern

Das Programm des Festivals

Elf Tage lang herrscht vom heutigen Mittwoch an bis zum 17. September zum elften Mal Ausnahmezustand im literarischen Getriebe der Hauptstadt. Mit einer Rede von Tahar Ben Jelloun eröffnet das Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) um 18 Uhr seine Pforten. Unter dem Titel „Was kann Literatur bewirken?“ fragt der marokkanische Schriftsteller nach dem Zusammenhang zwischen dem arabischen Frühling und dem Schreiben.

In sechs Programmsparten präsentieren sich über 140 Autoren aus 53 Ländern in fast 200 Veranstaltungen. Hauptspielort ist das renovierte Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße. Am opulentesten ist wie immer die Reihe „Literaturen der Welt“ ausgestattet. Sie bietet unter anderem Lesungen und Diskussionen mit dem in Holland lebenden Iraner Kader Abdolah, der über seine Emigrationserfahrungen spricht (13.9., 19.30 Uhr). Mit Amir Hassan Cheheltan, der nach einem Jahr in Berlin unlängst in den Iran zurückgekehrt ist, meldet sich ein Landsmann zu Wort, dessen Roman „Amerikaner töten in Teheran“ gerade im Verlag C.H. Beck erschienen ist (12.9., 19 Uhr). Eine weitere prominente Buchpremiere steht mit A. S. Byatts „Buch der Kinder“ an. Die englische Schriftstellerin trifft dabei auf ihre Berliner Kollegin Julia Franck (8.9., 19.30 Uhr).

Der Booker-Preisträger DBC Pierre stellt seinen Roman „Das Buch Gabriel“ vor (9.9., 19.30 Uhr). Melinda Nadj Abonji bringt noch einmal ihren letztes Jahr mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Tauben fliegen auf“ mit (10.9., 21 Uhr), und der amerikanische Romancier Gary Shteyngart liest aus seiner finsteren Zukunftsvision „Sad Sad Love Story“ (13.9., 20 Uhr).

Neben einem umfangreichen Kinder- und Jugendliteraturprogramm liegt ein besonderer Fokus auf dem Asien-Pazifik-Raum. Pankaj Mishra diskutiert über seinen neu erschienen Essayband „Lockruf des Westens? Modernes Indien“ (11.9., 20.30 Uhr). Und der in Amerika lebende Vietnamese Nam Le (10.9., 18.30 Uhr) beleuchtet die Erfahrungen von „boat people“, wie er sie in seiner Storysammlung „Im Boot“ festhielt.

Die Sparte „Reflections“ beschäftigt sich mit den politischen Verwerfungen der Gegenwart. Die Reihe „Erinnerung, sprich!“ zollt verstorbenen Schriftstellern Tribut, unter ihnen die Nobelpreisträger José Saramago und Czeslaw Milosz, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Geehrt werden auch Halldor Laxness, Fuad Rifka und Edouard Glissant.

Daneben gibt es zahlreiche Specials mit Filmvorführungen und einem Konzert der polnischen Jazzsängerin Aga Zaryan mit Vertonungen von Milosz-Gedichten (17.9., 20 Uhr). Das Festival gedenkt insbesondere der zehnten Wiederkehr des Schicksalstages 9/11. Es beschäftigt sich mit der Emanzipation des Genres der Graphic Novel (siehe auch unsere heutige Comicseite), veranstaltet drei Poetry Slams und einen Slam-Wettbewerb für Schüler. Tickets gibt es an den meisten bekannten Vorverkaufsstellen. Einzelkarten kosten zwischen fünf und zwölf Euro, Tageskarten 16 Euro, der Festivalpass 80 Euro. Genaue Informationen unter www.literaturfestival.com. Tsp

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