Kultur : Ein Partisan

Zum Tod des Filmemachers Gillo Pontecorvo

Peter W. Jansen

„Ich mache Filme, weil ich mich für Menschen und ihre Lebensbedingungen engagiere“, hat er gesagt, so unaufwendig im Persönlichen, wie er war. Hätte er nur diesen einen Film gemacht („Die Schlacht von Algier“, 1966), hätte es für die Filmgeschichte genügt. Gillo Pontecorvo aber konnte so wenige Filme realisieren, dass Ennio Morricone, sein Landsmann und Komponist, es als „Schande, ja Sünde“ bezeichnete.

Geboren in Pisa, am 19. November 1919, hatte Pontecorvo in den 30er Jahren in Paris Chemie studiert, ehe er seine Leidenschaft für den Journalismus entdeckte – und für die Politik. Es war die äußerste Linke, und Pontecorvo Mitglied der unter Mussolini illegalen Kommunistischen Partei. So kehrte er noch während des Kriegs nach Italien zurück: als Partisan und Anführer der Mailänder Garibaldi-Brigade. In Paris Regieassistent bei Yves Allégret, begann er bald nach Kriegsende mit der Arbeit an kurzen Dokumentarfilmen, deren antifaschistischer, antikapitalistischer Furor keinen Zweifel duldete. Diese Haltung prägte auch „Die Schlacht von Algier“: die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus anhand einer Geschichte, deren fiktionaler Charakter dank Pontecorvos neorealistischem Inszenierungsstil vollkommen hinter dem dokumentarischen Anspruch verblasste.

Mit „Queimada“ (1969), der von einem Aufstand gegen die portugiesische Kolonialherrschaft in der Karibik handelte, gelang zwar eine filmsprachlich grandiose Erzählung, aber anders als der nahezu „ausgewogene“ Algerien-Film enthielt sich „Queimada“ nicht der tendenziösen Parteilichkeit. Ein ähnliches Kino-Schicksal teilte „Ogro“ (1980) über den antifaschistischen Widerstand im Spanien Francos. Partisan blieb Pontecorvo auch in seinen Schriften, als Lehrer – und nicht zuletzt als Leiter des Filmfestivals von Venedig (1992 – 96). Allen internationalen Jurys, denen er angehörte (wie 1991 in Berlin), verlieh er den Glamour der Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Am Freitag ist Gillo Pontecorvo nach längerer Krankheit in einer römischen Klinik gestorben.

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