Kultur : Ein Philosoph auf der Rosinante

Steffen Richter

möchte eine echte Windmühle bekämpfen Wissen Sie, wann der edle Ritter Don Quijote de la Mancha gestorben ist? Kurz nachdem er sich in den verarmten Landadligen Alonso Quijano zurückverwandelt hat. Und warum wohl? Weil unsere Hirngespinste lebensnotwendig sind. Gelegentlich wollen wir alle eine Barbierschüssel für den Helm des Mambrin halten und gegen Windmühlen kämpfen.

Während hierzulande das Schiller-Jubiläum näher rückt, feiert Spanien im nächsten Jahr einen Best- und Longseller der besonderen Art. Ohne ihn wäre die Weltliteratur so undenkbar wie ohne Homer oder Shakespeare: Vor 400 Jahren erschien der erste Teil des „Don Quijote“. Und am Instituto Cervantes gibt es schon mal einen Vorgeschmack. Dort entwickelt der Philosoph und Schriftsteller Fernando Savater das Thema heute (19.30 Uhr) vom Ende her: „Don Quijote und der Tod“.

Die Woche geht philosophisch weiter, wird dabei aber kein bisschen dröge. Und zwar dank Pascal Mercier , der eigentlich Peter Bieri heißt und an der FU als Professor für analytische Sprachphilosophie lehrt. Im „Nachtzug nach Lissabon“, dem dritten Roman (Hanser) des gebürtigen Schweizers, verlässt ein Lateinlehrer Hals über Kopf seinen Unterricht und fährt nach Lissabon. Weil er in einem Buch eines portugiesischen Arztes und Widerstandskämpfers gegen die Salazár-Diktatur gelesen hat: Wenn wir „nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“ Vielleicht ist die Literatur ihre Antwort. Denn geschrieben und gelesen wird ja nicht zuletzt, um das eigene tatsächliche Leben um andere mögliche zu bereichern. Und wenn es bei Mercier darum geht, in der „kosmischen Bedeutungslosigkeit unseres gesamten Tuns“ ein sinnvolles Leben zu konstruieren, ist das durchaus „donquijotesk“. Sein begeistert gelobter Roman hat am 25.11. an der Akademie der Künste Premiere (20 Uhr).

Ein Landsmann von Bieri, einst Bürger von Genf, blieb Notenkopist – anstatt eine königliche Pension anzunehmen und sich fortan seine Meinungen diktieren zu lassen. Dass uns Jean-Jacques Rousseau noch einiges zu sagen hat, kann man am 25.11. im Buchhändlerkeller (Carmerstr.1, 21 Uhr) erfahren. Dort stellt Christiane Landgrebe ihre so spannende wie kenntnisreiche Biografie „Ich bin nicht käuflich“ (Beltz) vor.

Rousseau wollte aus gutem Grund nicht wahrhaben, dass pure Rationalität der Weisheit letzter Schluss ist. Denn wie sagt Savater? „Wenn wir erkennen, dass wir nicht Don Quijote sind, sterben wir.“

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