Kultur : Ein schlechter Schlichter (Kommentar)

jök

Christian Thielemann hat hingeschmissen. Der weltweit gefeierte Dirigent hat es nicht ertragen können, dass man ihm im eigenen Haus, der Deutschen Oper Berlin, einen Intendanten vor die Nase gesetzt hat, der in allen Angelegenheiten das letzte Wort hat. Ein seit Monaten schwelender Streit um Kompetenzen hat so sein denkbar unglücklichstes Ende gefunden - und die Deutsche Oper ihren nächsten Skandal. Dabei kann man es weder Thielemann noch dem künftigen Intendanten Udo Zimmermann verdenken, dass sie in künstlerischen Belangen selbst entscheiden wollen. Wer Kunst macht, will sich nicht dreinreden lassen. Dennoch hätte dieser Streit zwar nicht anders entschieden, doch anders geschlichtet werden müssen. Denn Kunst ist auf Bedingungen angewiesen, die ermöglichen, dass aus persönlichen Gegensätzen kreative Spannung entsteht. Der scheidende Kultursenator Peter Radunski hat in dieser Kernaufgabe versagt. Den Schaden hat die Deutsche Oper: Die kontinuierliche Aufbauarbeit, die Thielemann mit seinem Orchester in den letzten zwei Jahren geleistet hatte, ist in Frage gestellt. Ein Grund mehr, den Rücktritt des Kultursenators zu fordern. Doch nicht einmal das ist mehr möglich.

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