Kultur : Ein Städtebaukongress des Online-Dienstes BauNetz im ICC Berlin

Falk Jaeger

"Warum seid ihr alle so pessimistisch?" fragte Winy Maas, der shooting star der holländischen Architekturszene verwundert, nachdem er die Vorträge seiner deutschen Kollegen verfolgt hatte. Das BauNetz, der Online-Dienst für die Baubranche, hatte ins ICC geladen, zu einem Symposium "Visionen für den Städtebau im 21. Jahrhundert" und zur Verleihung des "Architektur-Internet-Preises 1999". Statt Visionen freilich konnte man eher Katzenjammer erleben.

Vom Desaster der Planungen an der Rummelsburger Bucht zum Beispiel berichtete Klaus-Theo Brenner, der Verfasser des Masterplans. Zuerst brach der Büromarkt weg, dann der Wohnungsmarkt; schließlich konnte nur ein Sechstel der geplanten Gebäude realisiert werden. Und nur ein Teil der Investoren und Architekten sah sich genötigt, die übergeordnete Gesamtplanung zur Kenntnis zu nehmen und sich danach zu richten - ein gescheitertes Unterfangen.

Etwas erfolgreicher gestaltet sich das Projekt Innovationszentrum Adlershof, das Jo Eisele vorstellte. Freilich führte auch er Klage, nämlich darüber, dass der hohe Anspruch des Zusammenwirkens von Forschung und Produktion schon architektonisch nicht eingelöst sei, dass man eine Ansammlung einzelner Bauten isolierter Institutionen und Firmen hingestellt habe und dass sich die berühmten Synergie-Effekte allenfalls beim gemeinsamen Mahl in der Kantine einstellen könnten.

Einzig Matthias Sauerbruch hatte nicht zu klagen, stellte er doch sein allseits gepriesenes GSW-Hochhaus vor, ein Beispiel für die Überwindung verkrusteter städtebaulicher Vorstellungen. Sauerbruch weigert sich, in den Trauergesang der Architekten über den Niedergang ihrer Zunft einzustimmen.

Meinhard von Gerkan wiederum brachte schlechte Mär von der EXPO 2000 in Hannover, deren architektonische Entwicklung er als Mitglied des Planungsbeirats durchlitten hat. Staunend und kopfschüttelnd erfuhren die mehr als 400 Zuhörer, wie selbst plausibelste Planungsansätze im Chaos widerstreitender Zuständigkeiten und unprofessionellen Managements zugrunde gehen.

So blieb es an Winy Maas, dem jung-dynamischen Holländer, der mit seinem Team MVRDV den erstaunlichen niederländischen Pavillon baut, Strategien für die "aggressive Überwindung der Lethargie" zu präsentieren. Sein furioser Vortrag mit animierten Clips aus dem Laptop leitete über zur Präsentation des Internet-Preises durch den Jury-Vorsitzenden Edouard Bannwart. Thomas Rosenschorn aus Kassel gewann den ersten Preis von 6000 Mark für sein Szenario des aus den Fugen geratenden Alexanderplatzes. Die Beiträge sind im Internet unter zu erleben.Informationen unter http://www.BauNetz.de/internetpreis

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