Ein starker Auftritt : Hasta la vista, Arnie

Arnold Schwarzenegger ist ein Meister der Selbsterschaffung. Jetzt hat der Bodybuilder, Schauspieler und Politiker abermals die Rolle gewechselt: bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert er sich als Schriftsteller und stellt seine Autobiografie "Total Recall" vor. Eine Nahaufnahme.

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Heldenleben. Arnold Schwarzenegger beim Signieren seines Buchs in Frankfurt. Foto: AFP
Heldenleben. Arnold Schwarzenegger beim Signieren seines Buchs in Frankfurt. Foto: AFPFoto: AFP

Und dann steht er tatsächlich im großen ARD-Forum auf der Bühne. Das heißt, es ist anzunehmen, dass er da vorn steht, weil es ringsum zu johlen und zu toben angefangen hat, obwohl der größte Teil derer, die da johlen und toben, höchstens eine Spur von ihm im Meer der hochgereckten Kamera- und Handy-Displays ausmachen können. Aber schließlich haben wir das Bild von Arnold Schwarzenegger, dem Meister der Selbsterschaffung, mindestens so sehr erschaffen wie er selbst. Falls wir ihn uns inmitten der Menschenmassen also ausgedacht haben sollten, macht das keinen Unterschied. Die Mission, bei der wir ihn begleiten, die Premiere seiner Autobiografie „Total Recall“ (Hoffmann & Campe), dürfte für einen Unbesiegbaren wie ihn eigentlich eine Fingerübung sein. Doch der, der hier eine 20-minütige Rede hält, wenn wir uns nicht auch seine Stimme einbilden, behauptet, es dabei so schwer gehabt zu haben wie nie. Heute stehe ich als Buchautor vor euch, sagt er. Heute geht es um mein Leben, und dabei habe ich etwas getan, was ich normalerweise hasse: Ich habe mich zurück in meine Vergangenheit begeben. Und wisst ihr was? Es hat sich gelohnt.

Wenn man das so mitschreibt, klingt es gleich sehr viel ordentlicher, als es Arnold Schwarzenegger sagt, in seinem Denglisch mit dem steirischen Akzent, bei dem die Grammatik mal ins Deutsche, mal ins Englische rutscht. Auch mit den Metaphern ist es es so eine Sache. Schnall dich an, sagt Arnold, denn stell dir vor, du sitzt in meinem Wagen und reist mit mir durch mein Leben. Von der zweiten Person Plural ist er umstandslos in die zweite Person Singular gewechselt, und er legt den ersten Gang ein, die Nachkriegserinnerungen des österreichischen Bauernbuben, der von der großen weiten Welt träumt. Vorsicht, sagt er aber schon, wir legen den zweiten Gang ein, denn Träumen genügt nicht. Man muss hart arbeiten, und so, wie er dieses „hart“ ausspricht, ist es die härteste Härte, die ein Mensch gegen sich selbst aufbringen kann, indem er seine alte Persona auslöscht, um eine neue an ihre Stelle zu setzen. Ich habe mich immer im Olymp gesehen, sagt Schwarzenegger, und wir begreifen: Unter Göttern ist sich jeder selbst der schlimmste Feind.

Aber noch ist er ein Halbgott, und die Vereinigten Staaten, in die er zieht, wollen vom jüngsten Mr. Universum aller Zeiten erst etwas wissen, als er 13 Weltmeistertitel im Bodybuilding in der Tasche hat. Ich bin mit leeren Taschen angekommen, sagt er, aber innerlich war ich reich, denn ich hatte meine Träume und meinen Willen mitgebracht. Und schon legen wir den dritten Gang ein und fahren nach Hollywood. Sein Name soll ganz oben auf den Plakaten stehen, neben dem von Charles Bronson und Clint Eastwood. Freunde warnen ihn, er werde keine Chance haben, man könne seinen Akzent mit einem Schwert durchschlagen. Er hört nicht auf sie, er will nicht auf sie hören: Jedes Mal, wenn sie Nein sagten, habe ich Ja gesagt. Und weiter, wir wollen Tempo erleben, sagt er, und schaltet in den vierten Gang. Camp David. Die Bekanntschaft mit den Kennedys. Tontaubenschießen mit George Bush senior und schließlich das Amt des kalifornischen Gouverneurs, acht Jahre Herr über 38 Millionen Menschen und die achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.

Schwarzenegger steigt jetzt voll aufs Gas, wir sind unterwegs mit 180 Sachen, und plötzlich geht nichts mehr. Motorpanne. Es war der schwärzeste Tag meines Lebens, sagt er, als meine Familie durch meine Schuld auseinandergebrochen ist. Und es fällt ein besonders grausamer Satz: „Fehler wurden gemacht.“ Da schaut sich einer von außen an, als wäre er tatsächlich eine Maschine. Wer sich mit Siegen schmückt, muss auch mit Niederlagen umgehen können, tröstet er sich und investiert erneut viel harte Arbeit. Wir können nun weiterfahren.

Schon hat er an der University of Southern California ein Schwarzenegger Institute eingerichtet, an dem er selbst eine Professur innehat. Terminator, Governator, Educator, das ist mein Leben im Dreischritt, sagt er. Und als letzten Satz: I’ll be back. Hatte die Zukunft für ihn nicht eine Sekunde zuvor schon begonnen? Gregor Dotzauer

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