Kultur : Ein strahlender Stern

Arndt & Partner eröffnet heute in Berlin mit Lisa Ruyter – und in Kürze neue Galerieräume in Zürich

Peter Herbstreuth

Will ein Berliner Galerist expandieren, hat er wenige Optionen – New York ist zu weit, London zu teuer. Die Berliner Galerie Arndt & Partner hat sich stattdessen für die Schweiz entschieden und eröffnet in der kommenden Woche in Zürich eine zweite Galerie. „Ich will meine Plattform vergrößern und in einer Zeit, in der so vieles sehr schnell passiert, ökonomisch gewappnet sein,“ begründet Matthias Arndt seine Entscheidung. „Es ist keine Dependance, sondern eine eigenständige Galerie mit eigenem Programm und Direktor.“ Da Arndt auch in diesem Jahr sechs Messen stemmen wird (Basel, Berlin, London, Miami, Mexiko, New York), ist die internationale Präsenz für seine neue Aktiengesellschaft mehr als gewährleistet.

Es gibt Firmen, die in Zürich eine briefkastengroße Geschäftsfläche haben. Arndt bietet dagegen für seine Premiere mit dem Video-Spezialisten Julian Rosefeldt 150 Quadratmeter in der Weststadt. Danach folgen Ausstellungen mit Henning Kles und Rafal Bujnowski, bevor im Sommer die Herausgeber des Berliner Magazins „Monopol“ eine Malerei-Show kuratieren. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn der Startblock nicht zünden würde, obgleich das bürgerliche Zürich gegen Quereinsteiger zunächst eher skeptisch eingestellt erscheint. „Ich habe dort befreundete Sammler und Partner“, fügt Arndt hinzu, „und mir gefällt ungemein, dass es so hervorragende Museen und Unternehmen mit Spitzenleuten in der künstlerischen Leitung gibt. Ich kann einfach meiner Arbeit nachgehen und brauche mich um die Kulturpolitik nicht zu kümmern.“

Arndt ist nicht der erste Berliner Kunsthändler, den es in fremde Gefilde zieht: Die Galerie Haas betreibt ebenfalls in Zürich eine Kunsthandlung und kooperiert in Berlin erfolgreich als Galerie Haas + Fuchs. Alexander Ochs expandierte letztes Jahr nach Bejing und freut sich, dass dort schon einmal der deutsche Wirtschaftsminister oder der Bundeskanzler seine Ausstellungen mit Reden eröffnen. Daraus aber einen Trend abzuleiten, wäre verfehlt. Arndt und Ochs sind Ausnahmen, die lange an ihren Brücken gebaut haben, bis sie sie eröffnen konnten. Den meisten Galerien genügen die Messen, um ihren Künstlern ein internationales Forum zu bieten.

Zeichnet man aber ein Diagramm mit den Galerien und ihren Messestandorten als Außenposten, ist Berlin ein mächtig ausstrahlender Stern, der deutlich macht, wo die jüngere Kunst verhandelt wird. Keine andere Stadt ließ im Kunstkompass so viele Galerien in den letzten Jahren nach oben schnellen. Kein international operierender Wirtschaftszweig wuchs in Berlin schneller.

Wobei internationale Kooperationen auch für die Künstler längst schon dazu gehören. Die 1968 geborenen Malerin Liza Ruyter, die heute um 18 Uhr bei Arndt & Partner ihre zweite Ausstellung in Berlin eröffnet, kooperiert zudem mit Leo Koenig in New York, Kargl in Wien und Ropac in Paris/ Salzburg. Das liegt nicht nur am internationalen Kunstmarkt, sondern auch an ihren Themen: Liza Ruyter zeigt oberflächlich Schaufenster, Modeschauen und Parties, aber ihre künstlerische Problematisierung liegt in den Posen, die die Gebärdensprache aus dem 18. Jahrhundert und das Schöne als Rhetorik aktualisieren (Preise von 22000 Euro bis 44000 Euro). Sie entzieht ihren superflachen Figuren alles Lebensähnliche und setzt sie in das raumlose Licht zwischen Art Deco und Comic. Jede Figur ist schwarz konturiert, synthetisch in den Farben und zeigt die Modells mit kühl entrücktem Blick in einer körperlichen Idealfiguration, die dem Apoll von Belvedere Konkurrenz machen will. Ruyter zelebriert den Glanz der schönen Pose und zeigt ihn als formale Disziplin.

Arndt & Partner, Zimmerstraße 90–91; bis 12. März; Dienstag bis Sonnabend, 12–18 Uhr.

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