Kultur : "Ein todsicheres Geschäft": Faustgrob

Kerstin Decker

Vor sechs Jahren drehte Mathias X. Oberg "Unter der Michstraße", ein Debüt. Seitdem haben viele sich seinen Namen gemerkt. Die Abenteuer eines Schlafwagenschaffners. Oberg war selbst mal Schlafwagenschaffner. Das Skurrile und der Traum, vielleicht gelang es deshalb. Bestattungsunternehmer in Wales war Oberg noch nie. Misslang es deshalb so gründlich?

Aberystwyth, der Ort mit den meisten Rentnern in ganz Europa, wie wir sofort erfahren. Hier will der junge deutsche Bestattungsgehilfe Hugo Nagel seinen Traum verwirklichen. Endlich ein eigenes Bestattungsunternehmen! - Die Pointe ist grob, faustgrob, und Oberg wird ihr das Unentbehrliche nicht geben können: Humor und Charme. Beinahe schmerzhaft ist es, diesem pubertären Sketch-Humor zuzuschauen. Thomas Schmauser, der scheue Verehrer Franka Potentes aus "Nach fünf im Urwald", hier wirkt er nur wie ein armer Neurotiker. Und was erst sagen über Ben Gazzara? Jawohl, der wunderbare alte Gazzara spielt mit. Er ist bei Oberg Jazzklarinettist mit schwerster Arthritis, und als bei seinem letzten Konzert ein Zuhörer tot vor ihm zusammenbricht, weiß er, es ist Zeit, aufzuhören. Er begleitet den jungen Deutschen beim Leichentransport, er mag Menschen mit einem Ziel. Er mag Hugo, er hilft ihm, aber es hilft nichts mehr. Diesem Film hilft keiner mehr. Er ruhe in Frieden. Unbeweint.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben