Kultur : Ein Versöhner

RAOUL FISCHER

"Versöhnte Verschiedenheit".Ein Programm dafür, wie die christlichen Kirchen sich einander nähern können: Einheit in Grundaussagen, gegenseitige Annäherung und Verständigung - Heinrich Fries dachte Ökumene bis hin zu konkreten Schritten zu einer Gemeinschaft der Kirchen."Versöhnte Verschiedenheit" könnte auch über dem Lebenswerk des katholischen Theologen stehen, der am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben ist.Der im Alter klein und zerbrechlich wirkende Fries hatte großen Einfluß auf die Ökumene, war einer ihrer Vordenker.Sein mit Karl Rahner verfaßtes Buch "Einigung der Kirchen - reale Möglichkeit", erschienen im Lutherjahr 1983, verschont die katholische Kirche und das Papstamt nicht mit Kritik.Für Fries waren "Einheit der Lehre" und Verschiedenheit der theologischen Modelle kein Gegensatz: Glauben sei offen und dynamisch, kein geschlossenes System.Geprägt vom Zweiten Vatikanischen Konzil, der Würzburger Synode und von Papst Johannes XXIII.forderte er Entwicklung: "Wir werden nichts anderes, aber wir werden anders glauben." Kirche müsse von einer "Klerikerkirche" zur Kirche als Volk Gottes werden.Ebenso wandte er sich gegen eine Überbetonung der Sexualmoral.Ökumene war für ihn im Streit mit Atheismus und Skeptizismus letztlich "eine Frage auf Leben und Tod für die Christenheit".Fries stammte aus Mannheim und wurde 1936 zum Priester geweiht.Vor seiner Universitätskarriere arbeitete er im zweiten Weltkrieg als Pfarrvikar auf dem Land.Von 1958 bis 1979 war er Professor für Fundamentaltheologie in München, seit 1964 leitete er das Ökumenische Institut an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians Universität.Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte ihn als einen "Pionier der ökumenischen Theologie und Erneuerer der Fundamentaltheologie".Er habe den Dialog zwischen der katholischen und den reformatorischen Kirchen aktiv mitgestaltet.

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