Kultur : Ein Whisky mit Tilman Rossmy

VOLKER LÜKE

TAGESSPIEGEL: Scotch oder Bourbon?

ROSSMY: Scotch.Glenfiddich mit Wasser und Eis.Scotch schmeckt mir besser, Bourbon hat so einen Nachgeschmack.Früher habe ich öfter "Southern Comfort" getrunken, da schmeckt man den Bourbon auch immer so durch."Southern Comfort" ist ja ein ganz übles Getränk, bei dem man so ein bischen ausfällig wird.

TAGESSPIEGEL: Wie wichtig sind alkoholische Getränke für einen Sänger und Songschreiber?

ROSSMY: Oh, die sind schon sehr wichtig.Ohne könnte ich es mir gar nicht vorstellen.Das macht es schon leichter.

TAGESSPIEGEL: Besonders wenn man seit 15 Jahren im Musikgeschäft ist und noch immer keinen Hit hatte.

ROSSMY: Das ist wohl wahr.

TAGESSPIEGEL: Wie wichtig sind deutsche Texte für dich? Deutsche Texte und Country-Musik, da denkt man immer gleich an Tom Astor oder Larry Schuba.

ROSSMY: Natürlich ist das ein Problem.Das ist uns auch ganz klar.Mit dem was wir mögen, können wir eigentlich nicht sehr viel erreichen.Es würde vielleicht schon besser sein, wenn wir uns einen anderen Sound ausdenken würden.Wir vergessen immer, das das in der deutschen Musikszene nicht so gut ankommt.Aber wir träumen immer davon, das die Leute das genauso hören wollen wie wir.

TAGESSPIEGEL: Wie war das Echo auf dein neues Album "Passagier" bis jetzt?

ROSSMY: Unentschieden.Ich glaube, die Leute wissen nicht so richtig, was sie davon halten sollen, was ich auch verstehen kann.Der Musikexpress hat geschrieben, das "man immer erst ein bischen zusammenzuckt, wenn man eine Platte von mir hört."

TAGESSPIEGEL: Deine Texte sind ja auch nicht immer leicht zu verstehen.Wie kommt man auf Zeilen wie "Ich bin das beste Leben, das es gibt"?

ROSSMY: Da kann ich auch nicht viel mehr drüber sagen.Es sind einige Songs auf der Platte, die bewegen sich an der Grenze des Sprechbaren, an der Grenze meines persönlichen Wissens.Der einzige Zugang zum Text ist das "Mögen".Wenn du es magst, dann erzeugt es eine Wirkung in Dir.Es ergibt keinen Sinn mit dem Verstand zu versuchen, da ranzugehen.Es gibt diesen schönen Satz: "Wo der Verstand seine Grenze überschreitet, da irrt er sich".

TAGESSPIEGEL: Oh, das erinnert mich an einen Song von Peter Maffay, "Sonne in der Nacht", in dem es heißt : "Der Verstand verliert den Verstand".

ROSSMY: Hm, Ich glaub, das muß ich noch ein bischen wachsen lassen.

TAGESSPIEGEL: Deine frührere Band hieß "Die Regierung".Warst Du für einen Regierungswechsel?

ROSSMY: Klar, ich habe auch die SPD gewählt.

TAGESSPIEGEL: Und wen hättest Du lieber als Bundespräsident, wenn Du die Wahl hättest zwischen Gunter Gabriel und Udo Lindenberg?

ROSSMY: Gunter Gabriel.

TAGESSPIEGEL: Warum?

ROSSMY: Countrysänger müssen zusammenhalten.

Tilman Rossmy spielt mit seinem Quartett am Dienstag in "Insel"-Club, 21 Uhr

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