Kultur : Ein Zukunftsplausch mit Sieben Autoren in der Literaturwerkstatt in Pankow

Philipp Lichterbeck

Als Journalist kommt man sich manchmal vor wie die Prinzessin aus "Rumpelstilzchen", die Stroh zu Gold spinnen soll. Denn wie schreibt man über etwas, das noch gar nicht existiert. Treffend lautete das Thema des Pressegesprächs am Samstagabend in der Literaturwerkstatt in Pankow dann auch: Zukunft. Die Berliner Festspiele und Eichborn Berlin hatten eingeladen, um die drei Gewinner des Literaturwettbewerbs "Science Fiction 2000" und vier weitere Autoren vorzustellen, deren Geschichten im März 2000 unter dem Titel "Sieben Hefte für die Zukunft" in einem Schuber erscheinen werden. Die Hefte nach Art alter Perry- Rhodan-Ausgaben sind als Ergänzung der Millenniumsaustellung "7 Hügel" im Martin-Gropius-Bau gedacht und versprechen die "Kollision von Hochliteratur und Trashkultur". So saß man mit den Kollegen von der "Berliner Zeitung" und der FAZ bei "Astronautenkost" und viel Wein in der ehemaligen Villa Otto Grotewohls beisammen und versuchte quer über den Tisch zu erfahren, welche Visionen der schriftstellernde Nachwuchs dieses Landes hegt. Im Planetenshirt war der Amateurastronom und einer der Gewinner des Wettbewerbs, Andreas Möhn, erschienen. Seine Geschichte spielt auf der Raumstation Mars und ist wissenschaftlich wasserdicht: "Ich habe konservativ gerechnet, 2016 ist realistisch". Auch Preisträger Knut Stang ließ sich wohl von seiner Profession inspirieren, als er einen Gefängnisplaneten entwarf, dessen Insassen alle im Gas enden. Stang ist Historiker, Schwerpunkt Kriegsverbrechen. Mit einer Überraschung wartete der 32-jährige "Kultautor" ("Der Spiegel") Tobias O. Meißner, Verfasser der chaotischen "Starfish Rules", auf. Meißner im Vorbeigehen: "Ich bin kein Schriftsteller, ich bin Musiker." Trotzdem hat er geschrieben, die Story der Berliner Computerspielbundesliga. Der dritte im Bunde der Preisträger, Zoran Drvenka, hatte auch eine Berlin-Vision: Die Mauer wird wieder aufgebaut, allerdings nicht mittendurch, sondern außenherum. Aus Kathrin Schmidt hingegen war wenig herauszuholen. Die Autorin der vielgepriesenen "Gunnar Lennefsen Expedition" ist mit ihrem Beitrag noch nicht fertig (Deadline: Ende Oktober). Böse Zungen aber behaupteten flüsternd, sie habe noch gar nicht angefangen.

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