Kultur : Eine Band gibt nicht auf

ROCK

H.P. Daniels

Frenetisch begrüßt steigen Steve Wynn & The Miracle 3 im Knaack ein in den knackigen Garagenrocker „Halloween“. Linda Pitmon, eine zierliche Lady, haut heftig zu, gibt schweren Rumms auf die Drums. Kickt und knallt in die Trommeln. Harte, trockene Snareschläge wie Peitschenhiebe. John Munson drückt kräftige Bassachtel dazwischen. Schnell kommen sie auf Touren, werden warm, werfen die dicken Wollschals von sich. Wynn phrasiert manchmal wie Dylan, dann wie Lou Reed, und bleibt doch unverkennbar Wynn. Balladen und Punk. Ballert ruppige Akkorde aus der abgeschrabbelten Telecaster. Fetzt über die kleine Bühne, lacht Fans und Mitspieler an, treibt sie nach vorne, springt zum Gitarristen Jason Victor. Gegenseitiges Anwippen und Hochschaukeln. Schrille Feedbacks. Schütteln und Rütteln. Jason hält den Gitarrenhals schräg nach unten, als wolle er ihn in den Boden rammen. Biegt den Körper zurück, zuckt, reißt mit dem Gitarrenhals einzelne Töne zur Seite und nach oben in verzerrtes Kreischen. Lässt sie trudeln, taumeln. Laut. Immer lauter. Ohrenbetäubend. Dass sich die Türen im Rhythmus nach außen blähen. Doch immer wieder findet die Band auch zur Stille zurück, zu hübschen Melodien und mehrstimmigem Harmoniegesang. Songs vom wunderbaren neuen Album „Static Transmission“ kontrastieren mit Stücken aus den Achtzigern. Und Wynn legt nach zwei Stunden und etlichen Zugaben noch einen nach. Alleine. Die Band kann nicht mehr: hat sich völlig verausgabt. Publikum auch.

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